FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Aktien » Diesen juristischen Beistand braucht kein Mensch
  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   22.04.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Diesen juristischen Beistand braucht kein Mensch  

Premium In ihrem Talent, nahezu vollständig selbstreferentielle Universen auf Kosten Dritter aufzubauen, nehmen es angelsächsische Kanzleien locker mit Hochfrequenzhändlern auf. Gedeihen können sie jedoch nur in einem Umfeld, das Verantwortung scheut.

Letzte Woche gab Nokia den Weggang von Vertriebsvorstand Colin Giles bekannt. Die Pressemitteilung würdigte seine Verdienste ausführlich und stellte Nokias  neue Vertriebsstrategie vor. In 326 Wörtern. Dem Text folgt der übliche Disclaimer in Form der "Forward-Looking Statements", auch als "Safe Harbor Statement" bekannt, der in langatmigem Juristenjargon darlegt, dass die Firma die Zukunft nicht vorhersehen kann und man aus Formulierungen wie "könnte" oder "sollte" nicht schließen dürfe, dass das auch so eintrete. In 1357 Wörtern.

Diese von der SEC forcierten Klauseln werden seit dem Platzen der Internetblase inflationär gebraucht. Auch in Europa, es könnte ja eine US-Partei involviert sein. Zudem blähen sie jede Analystenstudie auf. Einer Seite Analyse folgen bis zu fünf Seiten Anhang. Am lächerlichsten sind Studien zu Börsengängen, in denen die Banken versichern, dies stelle keinerlei Aufforderung zum Kauf der Aktie dar.

Diese juristischen Persilscheine sind Zeit- und Papierverschwendung, kein Investor wird dadurch geschützt. Doch ist es in obigen Fällen nur lästig, kann die Durchdringung des Wirtschaftslebens mit juristischen Feigenblättern nach US-Vorbild auch schwerwiegendere Konsequenzen haben. So füllt heute etwa schon ein mittelgroßer Firmenkreditvertrag, der früher in einer Handvoll Seiten festgezurrt wurde, schnell über 100 Seiten. Gern mit Plazet einer externen Großkanzlei, die sich aber vertraglich jeder Verantwortung entzieht.

Letzteres taten übrigens auch Vorstand und Aufsichtsrat von Siemens  beim wohl peinlichsten und kostspieligsten Vertragsbruch der Firmengeschichte - der einseitigen Auflösung der Atomallianz mit Areva. Beide entledigten sich ihrer Verantwortung für dieses Debakel mithilfe juristischer Gefälligkeitsgutachten. Im Stuttgarter Fall des EnBW -Kaufs ist gerade Ähnliches zu beobachten. Diesen Unfug sollten wir ruhig den Angelsachsen überlassen. Besinnt man sich hierzulande wieder auf die Stärken von HGB, BGB und des gesunden Menschverstands, kann man sich das Geld für Großkanzleien sparen.

  • Aus der FTD vom 23.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Sonderabo Werbefreiheit
 
Fokussieren Sie sich auf die Inhalte.
Mit dem Sonderabo Werbefreiheit erleben Sie die Website der FTD zukünftig ohne Werbeeinblendungen.
Sonderabo Werbefreiheit für 6,90 Euro im Monat

 

Sonderabo Werbefreiheit bestellen Zur Abo-Übersicht
FTD.de Themenseite Büro
FTD.de Themenseite Büro

Organisation am Arbeitsplatz, Neues zum Arbeitsrecht, Tipps und Tricks für den Büroalltag und Unterhaltsames für die Mittagspause finden Sie hier. mehr

Web-Abo Web-Abo ab 6,90 Euro im Monat
Online Services
Erfahren Sie mehr Zur Abo-Übersicht
Digital-Abo Digital-Abo ab 16,90 Euro im Monat
Online Services
  • Zugriff auf alle aktuellen Premium-Artikel
  • Verschiedene digitale Produkte, wie z.B. die FTD als Online-Ausgabe (PDF)
Mobile Services
  • Alle Ausgaben der FTD als App auf Ihrem Tablet
  • Alle Funktionen in der iPhone-App, wie z.B. die Vorlesefunktion von Artikeln
Digital-Abo bestellen Zur Abo-Übersicht
für Abonnenten
 

Fragen über die FTD Zum Abschied noch ein Quiz über uns

Die Quizze auf FTD.de waren so berüchtigt wie beliebt: Nie einfach, immer spaßig, oft ironisch, gelegentlich selbst für Experten unlösbar - am Ende selbstreferenziell. Viel Spaß!

An welchem Tag erschien die erste FTD?

Alle Tests

© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler