Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Letzte Woche gab Nokia den Weggang von Vertriebsvorstand Colin Giles bekannt. Die Pressemitteilung würdigte seine Verdienste ausführlich und stellte Nokias neue Vertriebsstrategie vor. In 326 Wörtern. Dem Text folgt der übliche Disclaimer in Form der "Forward-Looking Statements", auch als "Safe Harbor Statement" bekannt, der in langatmigem Juristenjargon darlegt, dass die Firma die Zukunft nicht vorhersehen kann und man aus Formulierungen wie "könnte" oder "sollte" nicht schließen dürfe, dass das auch so eintrete. In 1357 Wörtern.
Diese von der SEC forcierten Klauseln werden seit dem Platzen der Internetblase inflationär gebraucht. Auch in Europa, es könnte ja eine US-Partei involviert sein. Zudem blähen sie jede Analystenstudie auf. Einer Seite Analyse folgen bis zu fünf Seiten Anhang. Am lächerlichsten sind Studien zu Börsengängen, in denen die Banken versichern, dies stelle keinerlei Aufforderung zum Kauf der Aktie dar.
Diese juristischen Persilscheine sind Zeit- und Papierverschwendung, kein Investor wird dadurch geschützt. Doch ist es in obigen Fällen nur lästig, kann die Durchdringung des Wirtschaftslebens mit juristischen Feigenblättern nach US-Vorbild auch schwerwiegendere Konsequenzen haben. So füllt heute etwa schon ein mittelgroßer Firmenkreditvertrag, der früher in einer Handvoll Seiten festgezurrt wurde, schnell über 100 Seiten. Gern mit Plazet einer externen Großkanzlei, die sich aber vertraglich jeder Verantwortung entzieht.
Letzteres taten übrigens auch Vorstand und Aufsichtsrat von Siemens beim wohl peinlichsten und kostspieligsten Vertragsbruch der Firmengeschichte - der einseitigen Auflösung der Atomallianz mit Areva. Beide entledigten sich ihrer Verantwortung für dieses Debakel mithilfe juristischer Gefälligkeitsgutachten. Im Stuttgarter Fall des EnBW -Kaufs ist gerade Ähnliches zu beobachten. Diesen Unfug sollten wir ruhig den Angelsachsen überlassen. Besinnt man sich hierzulande wieder auf die Stärken von HGB, BGB und des gesunden Menschverstands, kann man sich das Geld für Großkanzleien sparen.