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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   17.10.2010, 19:42 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Diesmal richtet die Fed es ganz bestimmt

Nach zweijähriger Nullzinspolitik und Verzweieinhalbfachung ihrer Bilanz ist das Vertrauen in die Wunderwirkungskraft der Fed ungebrochen. Und doch ist es brüchig.
Eine alte Regel an den Finanzmärkten lautet, dass man Gerüchte kaufen und Fakten verkaufen soll. Entsprechend vermuten etliche Beobachter auf den Renten- und Devisenmärkten spätestens dann Gewinnmitnahmen, wenn die Fed Anfang November neue quantitative Lockerungsübungen beschließt. Das gilt besonders für den Fall, dass Ausgestaltung und Umfang des Programms hinter den inzwischen hohen Erwartungen des Marktes zurückbleiben.
Von derlei Bedenken ist am Aktienmarkt wenig zu hören. Und wie ein Frankfurter Aktienstratege meint, kann das zwei Gründe haben. Im ersten Szenario wäre die Wahrnehmung an den Märkten so, dass Aktien schon wegen der relativen Bewertung im Vergleich zu Renten nur gewinnen können, solange die US-Notenbank die Liquidität erhöht, selbst wenn Konjunktur und Firmengewinne noch unter Druck kommen sollten. Im zweiten Szenario gehen die Anleger davon aus, dass die seit dem Sommer von der Fed lancierten Erwägungen einer weiteren Lockerung die US-Wirtschaft wegen des einhergehenden Zinsrückgangs am langen Ende des Anleihenmarktes und der Abwertung des Dollars jetzt schon hinreichend stabilisiert haben, sodass keine größeren konjunkturellen Enttäuschungen zu befürchten sind.
Gefährlich für die Aktienanleger wäre offenbar nur das zweite Szenario, da Frühindikatoren wie jene der OECD oder des ECRI ja weiter auf eine spürbare Abkühlung der Wirtschaft hindeuten. Von derlei kurzfristigen Aspekten abgesehen, stellt sich aber vor allem die Frage, wieso die Fed denn mit der zweiten Welle von Wertpapieraufkäufen einen nachhaltigeren Erfolg erzielen sollte als mit der ersten. Denn es hat ja seinen Grund, dass die US-Wirtschaft trotz ungeahnter wirtschaftspolitischer Maßnahmen - zwei Konjunkturpakete, zweistellige Budgetdefizite, zweijährige Nullzinspolitik, Verzweieinhalbfachung der Fed-Bilanz - und deren Auswirkungen auf den realen effektiven Dollar so schwach geblieben ist.
Freilich ist es auch in einer unter Kapitalfehlallokation und Überschuldung leidenden Wirtschaft nur eine Frage der Zeit, bis die Monetisierung von zweistelligen Staatsdefiziten in jene Inflation führt, die Ben Bernanke so gerne sähe - und die zumindest zu nominal steigenden Aktienkursen führen könnte. Ein Vertrauensverlust auf den Märkten für Dollar und US-Staatsanleihen sollte aber besser nicht dazwischenkommen. Doch angesichts des wirren Hyperaktivismus der Fed droht der quasi jederzeit.
  • Aus der FTD vom 18.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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