Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Gewinn gut, Umsatz schwach. Dieses Thema hat sich durch die ganze Berichtssaison gezogen, Wal-Mart und Hewlett-Packard sind jüngste Beispiele. Nur tragen die Firmen selbst am meisten zur Umsatzschwäche bei. In den USA hat der Unternehmenssektor über die vergangenen vier Quartale Finanzierungsüberschüsse von 3,4 Prozent des BIPs erzielt - nach Investitionen und Dividenden. Das ist etwas Neues, denn seit Zeitreihenbeginn 1960 haben die Firmen meist Finanzierungsdefizite ausgewiesen. Wenn Überschüsse erwirtschaftet wurden, waren sie relativ gering und temporär. Jetzt sind sie groß und schon seit Anfang 2009 zu beobachten.
Der Grund für die Überschüsse ist leicht auszumachen: Die Firmen verdienen gut und investieren wenig. Das Dumme ist, dass die US-Verbraucher, deren Finanzierungsüberschuss für ihre Verhältnisse recht niedrige zwei Prozent des BIPs beträgt, kaum die Mittel dazu haben, um die Nachfrageschwäche des Firmensektors zu kompensieren. Denn die hohen Gewinnspannen der Firmen sind ja dadurch zustande gekommen, dass sie ihre Verkaufspreise über Jahre hinweg überproportional zu den Lohnstückkosten erhöht haben. Entsprechend mau ist es um die realen Lohneinkommen bestellt, derweil die Fed ihr Bestes gibt, um das Zinseinkommen der Rentner zu minimieren.
Da sich die Schulden der Verbraucher immer noch auf 143 Prozent ihres marktbasierten Vorsteuereinkommens belaufen, bleibt ihnen auch die Möglichkeit der Kreditaufnahme vorerst versperrt. Bleibt neben dem Ausland, das zumindest in Europa ähnliche Symptome aufweist, der Staat als Konjunkturtreiber der letzten Instanz. Bloß sind die Staatsfinanzen bei einem Budgetdefizit von fast neun Prozent und einem Schuldenstand von 107 Prozent des BIPs eben nicht stabil. Solange die Firmen nicht investieren, einstellen und Marge opfern, wird es daher keinen stabilen Aufschwung geben, auch wenn es zwischendurch immer mal so aussieht. Das Dilemma der Aktienanleger liegt auf der Hand: Wollen sie eine stabile Wirtschaftsentwicklung, müssen sie auf einen Margenrückgang hoffen.