Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Es handelt sich um Geldpolitik, nicht um Staatsfinanzierung. Sagt die EZB über ihr jüngstes Programm, das den offenen und unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen einem und drei Jahren am Sekundärmarkt vorsieht.
Doch wieso sind die Käufe dann an strikte fiskalische Bedingungen geknüpft, wenn es sich doch um Geldpolitik respektive monetäre Transmissionsmechanismen dreht? Und wenn es tatsächlich um Geldpolitik geht: Wieso setzt die EZB den Zins für - sagen wir - kurzfristige italienische oder spanische Anleihen dann nicht in der Nähe ihres Leitsatzes, der sich derzeit auf 0,75 Prozent beläuft und damit knapp zwei Prozentpunkte unter der Inflation liegt?
In diesen privat und/oder öffentlich hoch verschuldeten Ländern schrumpft das nominale BIP seit drei Quartalen, derweil die Arbeitslosenquoten steigen, die außenwirtschaftlichen Impulse nachlassen, die Rohstoffpreise belasten und dazu noch die Staaten auf die Bremse treten.
Bei zweijährigen Zinsen von 2,1 und 2,8 Prozent ist Italien und Spanien da kaum geholfen, zumal diese sich im zehnjährigen Bereich ja immer noch bei 5,2 und sechs Prozent bewegen. Zur Erinnerung: In Amerika, Japan, Großbritannien oder Deutschland ist die Inlandsnachfrage schwach, obwohl die Staatsanleiherenditen verschwindend gering sind - über alle Laufzeiten hinweg. Doch was bedeutete es wohl für die Leistungsbilanzdefizite von Spanien und Italien, wenn die Inlandsnachfrage dort tatsächlich anziehen würde? Waren diese außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte nicht einer der wesentlichen Gründe allen Übels?
Egal, die Anleger sind erst mal derart aus dem Häuschen, dass sie von grundsätzlichen Erwägungen nichts hören wollen. Dazu zählt, dass die EZB aus dieser Nummer nie mehr rauskommen wird, dass die "Notmaßnahmen", im Gegenteil, künftig noch umfangreicher ausfallen werden, dass die Zentralbank immer neue Argumente für die Staatsfinanzierung anführen wird, dass die damit einhergehenden Fehlanreize in einem Debakel enden werden und dass der Euro derzeit nur deshalb nicht kollabiert, weil er keine attraktiven Alternativen hat.
Dennoch sollten sich auch die kurzfristig orientierten Anleger überlegen, ob der Niedergang der Gewinnschätzungen in Spanien und Italien nun aufgehalten werden kann. Immerhin sind noch gar keine EZB-Hilfen beantragt worden, und wenn sich Spanien und Italien dazu entschließen, müssen sie womöglich neue Einschnitte versprechen, welche die Konjunktur zusätzlich belasten könnten. Oder wetten die Anleger jetzt schon darauf, dass diese Maßnahmen eh nicht eingehalten werden?