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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   14.07.2008, 21:54 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Eine Arithmetik für sich  

Eins kann man den US-Hypothekenfinanzierern Freddie Mac und Fannie Mae nicht nachsagen: dass sie ihrer Rolle nicht gerecht geworden sind. Ohne sie wäre der Markt vermutlich längst zusammengebrochen.
Die beiden Hypothekenfinanzierer sollen die Liquidität und die Stabilität des US-Hypothekenmarkts gewährleisten und das Wohneigentum in den unteren und mittleren Einkommensklassen fördern. Mit zusammengenommen gerade mal etwas mehr als 10.000 Mitarbeitern (Deutsche Bank: 78.000) stehen allein diese beiden Institute - die, wie die jetzigen Kapitalzusagen der Regierung sowie die neuen Liquiditätslinien der Fed zeigen, nicht nur im Dunstkreis des Staats angesiedelt sind - für US-Hypotheken von rund 5000 Mrd. $ gerade.
Insgesamt standen zum Ende des ersten Quartals in den USA Einzel- und Mehrfamilienhaushypotheken von rund 12.000 Mrd. $ aus, und wenn die staatsprotegierten Institute über die vergangenen drei, vier Quartale ihre Schlagzahl beim Aufkauf von Wohnungsbaukrediten aus dem Bestand von Geschäftsbanken nicht noch erhöht hätten, wäre der US-Hypothekenmarkt vermutlich längst völlig zusammengebrochen.
Wenn die Hauspreise fallen, die Kreditnehmer kein Einkommen (mehr) haben und Zahlungsausfälle zunehmen, sind die Verwaltung und die Besicherung riesiger Hypothekenvermögen allerdings ein ziemlich desaströses Geschäftsmodell. Dem Staat ist also kaum etwas anderes übrig geblieben, als Freddie und Fannie unter die Arme zu greifen. Dass die Stützungsaktion die Nachfrage nach Aktien und Dollar hat steigen lassen, kann indessen nur als Erleichterung über die kurzfristige Abwehr eines Kollapses interpretiert werden.
Denn nach den meisten Kennzahlen sind US-Privatimmobilien immer noch um rund ein Drittel teurer als im langfristigen Durchschnitt. Und selbst wenn es der Regierung gelingt, diese Institute auf Kosten der Steuerzahler über Wasser zu halten, ist das noch längst nicht das Ende vom Lied. Denn der defizitäre US-Privatsektor braucht auch zusätzlichen Kredit. Doch angesichts des Siechtums des Finanzsektors sinkt die US-Kreditmenge seit 15 Wochen. Ähnliches zeigen auch die Umfragen zu den Kreditvergabestandards der Banken sowie die hohen Risikoprämien für Hypotheken und Firmenkredite, aufgrund derer die Zinssenkungen der Fed immer noch nicht richtig in der Wirtschaft "angekommen" sind.

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