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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   17.02.2011, 22:55 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Es ist beängstigend

Wenn man es nicht besser wüsste, würde man sagen, dass Gehirnwäsche im Spiel sein muss. Denn anders sind die Entwicklungen an den Aktienmärkten kaum noch zu erklären.
Hätte man es vor fünf Jahren jemandem erzählt, man wäre für verrückt erklärt worden. Die größte Volkswirtschaft der Erde kann sich nur noch behelfen, indem sie im großen Stil Geld druckt - und der Aktienmarkt notiert mit einer Dividendenrendite von 1,7 Prozent. Das entspricht ungefähr dem Bewertungsniveau vom Oktober 2007, als ein Absturz des S&P 500 von 1565 auf 677 Zähler folgte. Nur ist der März 2009 im Februar 2011 bei einem Indexstand von 1335 Punkten so weit weg, dass die Fondsmanager der Erde laut Merrill Lynch (die es zum Glück immer noch gibt) die Aktiengewichtungen in ihren Portefeuilles auf den höchsten je gemessenen Stand erhöht haben. Und nur mal zur Einordnung: Vor dem Beginn des irrationalen Überschwangs wären Dividendenrenditen von unter zwei Prozent undenkbar gewesen. Zwischen 1871 und 1996 waren es laut Robert Shiller im Durchschnitt 4,8 Prozent. Das Shiller-KGV beläuft sich inzwischen auf 24,2 - gegenüber einem Mittelwert von 16,4 seit 1881.
Gesamtertragindizes in realen DM/Euro   Gesamtertragindizes in realen DM/Euro
Dennoch sind sich die meisten Beobachter einig, dass an Aktien kein Weg vorbei führe. Dabei stochern die Anleger dermaßen im Nebel, dass US-Aktien selbst bei einer Verdreifachung der Dividendenrendite noch zu teuer wären. Erinnern wir uns: Anfang 2010 waren die meisten überzeugt, dass die Wirtschaft sich rapide erholen würde, weswegen die Geldpolitik im Laufe des Jahres gestrafft werden müsse. Doch Pustekuchen: Wenige Monate später, im Sommer 2010, herrschte Deflationsangst, woraufhin die Fed weitere Wertpapieraufkäufe versprochen hatte. Und nun? Per Januar 2011 steigen die US-Verbraucherpreise mit einer annualisierten Drei-Monats-Veränderungsrate von 3,9 Prozent (5,1 ohne die obskure Mietkomponente gerechnet). Irre.
Aber Aktien müsse man doch schon allein wegen der ungeahnten Möglichkeiten in China besitzen, heißt es dann oft. Genau. Nur dass sich in China ein noch größerer Schlamassel zusammenbraut als im Westen vor 2007. Doch haben die China-Stänker nicht immer Unrecht gehabt? Stimmt, so wie sie in den USA auch lange vergebens gewarnt hatten. Vielleicht sollten sich die Anleger einfach mal fragen, wann sie zum ersten Mal von der Chinafantasie an den Märkten gehört haben. Bei den Verfassern ist das fast 20 Jahre her. Und in realen DM/Euro ausgedrückt ist der MSCI China heute gerade noch ein Drittel so viel wert wie Ende 1993. Der MSCI Industrieländer derweil notiert in realer Betrachtung bei der Hälfte des Hochs von 2000 und steht damit kaum höher als im Sommer 1989. Nur, dass das keinem bewusst ist. Was haben uns die Zentralbanker und die Broker die Sinne doch verwirrt.
  • Aus der FTD vom 18.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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