Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Die Deutschen sollen endlich ihren Kleinmut überwinden und Europa unter die Arme greifen. Sagen etliche Beobachter des ökonomischen Geschehens. Aber wie viel soll's denn eigentlich sein? Wie viele Mittel soll Deutschland aufbringen, ob nun in Form von direkten Transferzahlungen, durch implizite Zinssubventionen per Einbringung der eigenen Bonität oder durch Besteuerung per Inflation?
Sagen wir mal, es sollen 25,7 Mrd. Euro sein, ein Prozent des hiesigen BIPs 2011. Dummerweise entspräche das bloß 0,38 Prozent des BIPs im Rest des Euro-Raums und 0,26 Prozent des BIPs im Rest der EU. Ob das eine große Hilfe wäre? Eher nicht. Tun wir also einfach mal so, als ob die - zusätzlichen - Leistungen des EU-Nettobeitragzahlers Deutschland mindestens einem Prozent des BIPs im Rest des Euro-Raums gleichkommen müssten. Das wäre immer noch nicht die Welt für Länder, die angeblich am Rande einer Depression stehen. Doch käme auf Deutschland nun schon eine Rechnung von 68,4 Mrd. Euro oder 2,7 Prozent des BIPs zu. Und das für unabsehbare Zeit, vielleicht sogar auf Dauer, falls der Geldsegen die Reformbemühungen im Mittelmeerraum dämpfen würde, was viele vermuten.
Aber debattieren wir nicht darüber, ob es gut angelegtes Geld wäre. Und streiten wir auch nicht darüber, ob Deutschland - das Land von fast acht Millionen atypisch (prekär) Beschäftigten und Hartz IV - sich das leisten könnte. Überlegen wir uns lieber, seit wie vielen Jahrzehnten es in Deutschland selbst an einem Prozent des eigenen BIPs mangelt, um Schwimmbäder im Ruhrpott zu sanieren oder Schulen in Berlin mit ausreichenden Mitteln auszustatten - von der finanziellen Not von Polizei, Justiz, Kunst und Kultur gar nicht zu reden. Wer dennoch glaubt, dass Deutschland es doch habe, dem empfehlen wir eine Fahrt von Reinsfeld nach Holzerath durch den Osburger Hochwald. Diese beiden hübschen Örtchen liegen bei Trier und profitieren damit wie die ganze Region von der Nähe zum wohlhabenden Luxemburg. Wer diese neun Kilometer Landstraße unbeschadet übersteht, darf mitreden.