Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Da blutet das englische Fußballerherz, aber diesmal nicht wegen eines Elfmeterduells mit vorhersehbarem Ausgang. Als wollte sich die Familie Glazer, Eigentümerin des Klubs Manchester United , für die zahlreichen Anfeindungen revanchieren, bewiesen sie beim Börsengang des 134 Jahre alten Traditionsvereins ein erstaunlich schlechtes Händchen bei der Wahl von Zeit und Ort: Das Börsendebüt fällt inmitten des Olympia-Rauschs, und als Heimatbörse wurde die NYSE gewählt. Eine europäische Fußballlegende in New York, das bisher höchstens als Frührentnerparadies für Ex-Fußballstars auffiel.
Dass Europa gemieden wurde, kann man fast verstehen. Die elf notierten Klubs spielen größen- und bewertungstechnisch in einer anderen Liga als ManU: Mit 0,2 Mrd. Euro Börsenwert ist Juventus Turin noch der größte unter ihnen, obwohl er fast nur Verluste einspielt. Da das größte Marketingwachstumspotenzial in Asien liegt, hatten es die Glazers zunächst hier versucht. 1 Mrd. Dollar wollten sie holen, doch weder in Singapur noch in Hongkong fand sich genügend Nachfrage. Last Exit New York also - ein Eigentor. Gerade mal 233 Mio. Dollar wurden eingesammelt. Rund die Hälfte davon geht an die Glazers, die andere in ein bisschen Schuldenabbau. Statt der anvisierten 16 bis 20 Dollar wurden die Aktien am Freitag zu 14 Dollar zugeteilt.
Damit wird ManU mit 2,3 Mrd. Dollar bewertet. Inklusive der Nettoschulden in Höhe von 0,6 Mrd. Dollar zahlt man dann das satte 16-Fache vom abgelaufenen Ebitda. Dafür bekommt man natürlich auch was: dank doppelter Aktiengattung null Mitsprache an einer auf den Caymans angesiedelten Firma, die deswegen auf unabhängige Aufsichtsräte verzichten kann und die als "junge Wachstumsfirma" an die Wall Street geht, was ihre Informationspflichten deutlich vermindert. Die Glazers bleiben also Alleinherrscher. Dank frühem Champions-League-Aus hat man im per Juni abgelaufenen Geschäftsjahr mit knapp 320 Mio. Pfund weniger als im Vorjahr umgesetzt, mit einem operativen Minus. Hier greifen nur Verrückte zu, aber keine Fans.