Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Mit Apple kam die Wende, auch in Europa. Seit der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse der umschwärmten US-Technologiefirma hat der DAX um mehr als 200 Zähler zugelegt. Zufall? An den europäischen Konjunkturdaten - dem EU-Wirtschaftsvertrauen, den französischen sowie spanischen Arbeitsmarkt- und Konsumstatistiken, den EU-Lkw-Verkäufen oder dem britischen BIP - kann die Stimmungsverbesserung jedenfalls ebenso wenig gelegen haben wie an den vermeldeten Auftragseingängen von Siemens oder Scania oder an den anhaltenden Wirren auf den Rentenmärkten Europas. Nicht mal die US-BIP-Zahlen fürs erste Quartal, wonach die reale inländische Endnachfrage mit einer Jahresrate von bloß 1,6 Prozent zugenommen hat und das reale verfügbare Einkommen der Verbraucher um kaum messbare 0,4 Prozent gestiegen ist, konnten den Aktienanlegern die Laune verderben.
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Doch was hat Apple mit Siemens , Allianz , Eon , Deutscher Bank , RWE , Fresenius Medical Care , ThyssenKrupp , Commerzbank , K+S , Heidelberg Cement , MAN , Lufthansa oder Metro zu tun? Hat sich jemand der begeisterten Bullen mal die Mühe gemacht, die Entwicklung der 2012er-Gewinnschätzungen für diese Unternehmen über die vergangenen Quartale zu betrachten? Das Bild ist ernüchternd, gelinde gesagt. Ähnliches gilt selbst für die Deutsche Telekom, wo man ja einen gewissen Zusammenhang mit Apple konstatieren kann.
Natürlich gibt es Gegenbeispiele wie VW oder BMW . Das kann aber nicht verdecken, dass die Gewinnprognosen in Europa nachgeben. In vier von neun nichtfinanziellen Sektoren im MSCI Europa - Gesundheit, Grundstoffe, IT und Telekom - wird für 2012 mittlerweile mit Gewinnrückgängen gerechnet. Auf Basis der geschätzten Gewinne notieren Werte wie Lufthansa, Beiersdorf oder Thyssen inzwischen mit KGV von 24, 26 und 35. Selbstredend sagt das allein wenig über die Attraktivität dieser Firmen aus. Dennoch ist klar, dass sich die Hoffnungen der Anleger auf die Gewinne der kommenden Jahre richten. Doch was haben die mit Apple zu tun?