Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Aus deutscher Sicht fällt es leicht, das spanische Konglomerat ACS samt Chef Florentino Pérez unsympathisch zu finden. Und sei es nur, weil Pérez in seiner Funktion als Präsident/Sponsor von Real Madrid einer der Gründe ist, warum Europas Fußball teils unter ähnlich windigen Finanzierungsmodellen leidet wie der spanische Bausektor, unter dessen Kollaps ACS verdientermaßen mitleidet.
Als solcher ACS-Skeptiker muss man sich jedoch fragen, warum Hochtiefs Aktie steigt, nachdem bekannt wird, dass die böse spanische Mutter ihren Zugriff ausbaut und deswegen zwei deutsche Vorzeigemanager gehen müssen. Besteht da nicht die Gefahr, dass ACS zur eigenen Genesung die deutsche Tochter aussaugt?
Nicht unbedingt. Zum einen ist die Lage von ACS zwar ungemütlich: Inklusive zum Verkauf stehender Aktiva liegt die Nettoverschuldung bei 12,5 Mrd. Euro , bei einem für 2012 geschätzten Ebitda von 2,8 Mrd. Euro. Doch vor allem mit der Refinanzierung der Iberdrola -Anteile hat sich die Lage zumindest stabilisiert. Zweitens schützt das deutsche Aktiengesetz Hochtief vor schädigenden Vermögensverschiebungen Richtung ACS, da hilft auch kein spanischer Vorstand. Drittens ist es unwahrscheinlich, dass ACS Leighton und das USA-Geschäft, die 2012 laut DZ 90 Prozent zu Hochtiefs Vorsteuergewinn beitragen, verkaufen wird. Mit dem bisher nicht erfolgten Verkauf der Immobilien- und Flughafensparte sowie der Restrukturierung des deutschen Baugeschäfts hätte der neue Vorstand schon genug zu tun. Und könnte so auch für die freien Aktionäre noch was rausholen.