In Europa sind die schönen Aktienkursgewinne der ersten Monate des Jahres weitgehend futsch. Und dennoch hält sich der Verkaufsdruck selbst auf dem alten Kontinent in Grenzen, wenn man die schmerzliche ökonomische, politische und gesellschaftliche Lage bedenkt.
Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Anleger fest mit weiteren Geldspritzen der Zentralbanken rechnen, ob in Amerika, Europa oder in Japan, wo die westlichen Geldpolitiker schon mal studieren können, was ihnen und ihrer Unabhängigkeit dereinst blühen könnte, wenn sie sich politischen Forderungen (nach noch mehr Zentralbankgeld) widersetzen. In Japan kann man mittlerweile fast von Feindseligkeit gegenüber der Zentralbank sprechen, ob von politischer Seite oder vonseiten privatwirtschaftlicher Bankökonomen. Beinahe hat man den Eindruck, die japanischen Geldpolitiker hätten inzwischen mehr damit zu tun, den Verdacht der Gefügigkeit auszuräumen, als die eigentlichen Aufgaben einer Zentralnotenbank zu erfüllen.
Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Anleger die gewünschten Geldspritzen neuerlich bekommen. Doch wohin soll das führen? Zu einem neuerlichen Anstieg der Rohstoffpreise, die ja seit Jahren Hand in Hand mit dem Aktienkursen gehen? Ist das die richtige Politik, wenn die Reallöhne von breiten Schichten der Bevölkerung eh längst beträchtlich unter Druck geraten sind? Sollen die Anleger dann wieder die Aktie von Tiffany kaufen, weil die Betuchten besonders von den Vermögenseffekten profitieren? Und die Aktie von Metro leer verkaufen, weil die Kundschaft des Einzelhändlers unter steigenden Lebenshaltungskosten stöhnt?
Wir kapieren einfach nicht, wie eine effiziente Kapitalallokation funktionieren soll, wenn die Anleger nicht mehr auf fundamentale Trends setzen, sondern darauf wetten, dass ihr Kaufauftrag über Vermögenseffekte die Ausgaben der Verbraucher und Firmen ankurbelt, die den Unternehmen wiederum jene Umsätze und Gewinne bescheren, für die die Anleger sozusagen in Vorleistung gegangen sind. Klar scheint nur, dass eine weitere Welle der Kapitalfehlallokation desaströse Folgen hätte.