Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Es ist wohl eine der peinlichsten Übernahmen der Geschichte. Und jetzt könnte sie zudem noch den objektiven Blick auf Hewlett-Packard verhindern. Der Kauf der englischen Softwareschmiede Autonomy durch HP Ende 2011 ist voll von Absurditäten, angefangen beim Preis. 10,3 Mrd. Dollar waren schon damals völlig überzogen. Sie entsprachen mehr als dem Zehnfachen des Umsatzes der vergangenen vier Quartale und dem 24-fachen Ebitda. Und Autonomys Wachstum war damals eher mau. Der Markt bestrafte HP mit einem Kursabschlag von 20 Prozent.
Noch absurder wird die Bewertung angesichts der nun von HP reklamierten Bilanzmanipulationen von Autonomys damaliger Führungsriege. Allein ihretwegen schrieb HP 5 Mrd. Dollar auf die Akquisition ab. Hat man also richtig gerechnet eher das 50-fache Ebitda bezahlt? Weitere fast 3 Mrd. Dollar wurden zusätzlich abgeschrieben, da die Integration holprig verläuft. 8,8 von 10,3 Mrd. Dollar Kaufpreis abgeschrieben, bei einer trotz allem ja operativ funktionierenden Firma - unglaublich. Das lässt nicht nur den damaligen CEO Léo Apotheker alt aussehen, sondern auch das Board und seine Gremien.
Darüber hinaus ist es für die damaligen HP-Berater peinlich: die M&A-Banker von Barclays und Perella Weinberg, die Anwälte von DLA Piper, Freshfields, Gibson Dunn und Skadden Arps und natürlich die Rechnungsprüfer von Deloitte, die wiederum von KPMG überprüft wurden. Und es war ja wirklich die klassische technische Prüfung, die versagt hat. Denn produktseitig hätte Autonomy, dessen Software die aktuellen Hypethemen Cloud, Big Data, Customisation ideal bedient, gut gepasst. Allein die Zahlen, aber eben auch die Firmenkultur bei Autonomy waren schauerlich.
Doch darüber sollte man nicht vergessen, sich HP, eine immer noch breit aufgestellte und gut vernetzte Firma, rechtzeitig anzuschauen. Das 3,2er-KGV sagt zwar wenig, aber rund einmal Buch und 0,35-mal Umsatz sind ein Wort. Es mag verfrüht sein, aber die zuletzt auch bei Nokia eingetretene Erholungsbewegung sollte man nicht ausschließen.