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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   22.06.2008, 20:42 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Inflationsrückkoppelungen  

Die EZB fürchtet unter anderem die Koppelung der Löhne an die Inflation in einigen Ländern des Euro-Raums. Das haben zuerst die Zinsauguren unterschätzt, jetzt sind die Aktienanleger dran.
Es hilft nichts, man muss sich zwingen, das Ding zu lesen. Dann wäre man am 5. Juni nicht derart auf dem falschen Fuß erwischt worden." So ein Aktienstratege aus Frankfurt mit Bezug auf den Monatsbericht der EZB. Und recht hat er. Denn wer den Mai-Bericht studiert hat, kann eigentlich nicht mehr groß überrascht worden sein von der recht unverblümten Ankündigung Jean-Claude Trichets auf der jüngsten Zinspressekonferenz, den Leitzins bei nächster Gelegenheit um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent zu erhöhen. Nicht nur, dass die EZB in ihrem Mai-Bericht noch einmal dargelegt hat, wie akut die Risiken sind und was Inflation anrichtet. Brisanz birgt allein ein kleiner Kasten, in dem erläutert wird, wie die Löhne in einer Reihe von Euro-Ländern automatisch oder jedenfalls in gewisser Weise an die Inflation gekoppelt sind. So führt eine steigende Inflationsrate zu steigenden (Lohn-)Kosten, und die Inflation nährt sich quasi selbst. Kein Wunder, dass die Währungshüter angesichts des Anstiegs der Verbraucherpreise von 3,7 Prozent alarmiert sind.
Selber schuld, denn wenn eine Notenbank in nicht mal zehn Jahren eine Verdopplung von Geld- und Kreditangebot zulässt (der reale Leitsatz lag seit Euro-Einführung im Mittel bei knapp einem Prozent), kann man sie nicht bemitleiden. Aufhorchen müssen indes die Aktienanleger - und zwar nicht nur aufgrund der Aussicht auf steigende Leitzinsen, die die Bewertung unterminieren und die eh schwächelnde aggregierte Nachfrage zusätzlich dämpfen. Dazu kommt, dass die Lohnstückkosten in Ländern wie Spanien oder Italien weiter überproportional zunehmen könnten, womit nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit neuerlich beeinträchtigt würde, sondern auch die Gewinnspannen gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen werden würden.

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