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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

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  24.11.2009, 21:16    

Das Kapital: Jetzt wird China doch nicht patzen

Verkehrte Welt: Im Westen erholen sich die Konjunkturindikatoren - die Anleger sorgen sich dafür mehr und mehr um China. Das Land übertüncht seine Schwierigkeiten mit einer Politik, die dem Westen teuer zu stehen kommt.
Das ist gemein. In Deutschland legt die Inlandsnachfrage im Sommer um 1,3 Prozent zu. Wie in Belgien entwickelt sich das Geschäftsklima erfreulich. Frankreich meldet ermutigende Konsumzahlen, und im Euro-Raum erholen sich die Industrieaufträge. In den USA ziehen Verbrauchervertrauen und Hauspreise leicht an. Selbst den revidierten US-BIP-Zahlen kann man Gutes abgewinnen. Denn da der private Konsum nach unten und das Einkommen nach oben korrigiert wurden, ergibt sich eine Sparquote von 4,5 statt 3,3 Prozent, womit die finanzielle Genesung der Verbraucher weiter gediehen wäre als gedacht. Die Gewinne der Firmen springen um annualisierte 65 Prozent, sodass der Cashflow auf 117 Prozent ihrer Anlageinvestitionen steigt, einen Rekord.
Und wie reagieren die Anleger? Sie sind verschreckt durch die unglaubliche Nachricht, dass Chinas Banken frisches Kapital brauchen könnten, nachdem sie neue Kredite von mehr als 1000 Mrd. $ vergeben haben. Denn ausgerechnet das von vielen als Retter der Weltwirtschaft erachtete China bereitet plötzlich Kopfzerbrechen. Bill Gross von Pimco etwa zeigt sich besorgt, dass das Land zu viele Exportkapazitäten aufbaue, für die im Westen so bald keine Abnehmer in Sicht seien. Albert Edwards von SocGen unkt sogar, dass China 2010 ab- statt aufwerte, nachdem die Industrieländer wieder in die Rezession rutschten.
Doch wieso sollte die Konjunktur einen Rückschlag erleiden? Nun, weil in Deutschland die Lohnstückkosten der Unternehmen trotz der jüngsten Entspannung um 8,2 Prozent höher sind als vor zwei Jahren, womit der Stellenabbau anhalten und die Steuererleichterungen sowie steigenden Sozialausgaben überlagert werden dürften. Und weil die Nettolohnsumme real eh kaum höher ist als vor zehn Jahren. Und weil die US-Verbraucher, die 128 Prozent ihres marktbasierten Vorsteuereinkommens verprassen, die Arbeitsmarktlage immer trüber einschätzen. Und weil die unter schwachen Bilanzen, Kreditknappheit und Überkapazitäten ächzenden Firmen wissen, dass Konjunkturpakete und Lagerzyklus nicht ewig tragen. Und weil die Entschuldung gesamtwirtschaftlich nicht mal begonnen hat. Im Gegenteil.
  • Aus der FTD vom 25.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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