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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   13.05.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: JP Morgans Beitrag zur Regulierungsdebatte  

Premium Den Verlust kann JP Morgan verkraften, aber diese Schmach! Was sind Jamie Dimons Worte jetzt noch wert? Dabei ist der Beweis, dass auch sein Vorzeigeinstitut sich und die Märkte nicht kontrollieren kann, ein so wertvoller Debattenbeitrag.

2 Mrd. Dollar - na und? Inflationsbereinigt hätte man sie früher als Peanuts abgetan. JP Morgan  hat 2011 26,7 Mrd. Dollar vor Steuern verdient und weist ein Eigenkapital von 190 Mrd. Dollar aus - warum bei einem Handelsverlust da gleich eine Pressekonferenz einberufen? Auch der Kurssturz von 9,3 Prozent schmerzt doch nicht, die Aktie liegt dieses Jahr immer noch mit elf Prozent vorn, besser als der S&P 500 . Andererseits, wenn ein veröffentlichter Verlust von 2 Mrd. Dollar den Marktwert um 14 Mrd. Dollar einbrechen lässt, muss sich Jamie Dimon doch Gedanken machen. Gerade Jamie, der sich doch schon so viele Gedanken gemacht hat. Zur Notwendigkeit der Bankenregulierung, zur Inkompetenz von Paul Volcker, zu den hysterischen Medienberichten über seine Londoner Händler und zur Überlegenheit des eigenen Geschäftsmodells.

Man wird Jamie jetzt nicht mehr so ernst nehmen können. Gerade jetzt, wo US-Wahlen anstehen und Bankenregulierung auf beiden Seiten des Atlantiks Tagesthema bleibt. Besonders unangenehm ist, dass es sich bei JP Morgan im Gegensatz zur Société Générale und der UBS nicht um "unkontrollierte" Einzeltäter handelt, sondern die fehlgelaufene Position von oben, strategisch-risikooptimiert, gebilligt war. Gegen die aber seit Monaten andere Marktteilnehmer, zuletzt auch erfolgreich, wetten.

Jamie wird jetzt noch einige unangenehme Fragen beantworten müssen: Hat er nichts gewusst - siehe letzter Quartalsbericht - oder nur nichts kapiert? Sind Finanzinstitute dieser Größenordnung wirklich kontrollierbar? Haben seine Händler lange Zeit den Markt manipuliert, und wäre das früher rausgekommen, wenn der Derivatemarkt transparenter wäre? Aber vor allem die Frage: Wie kann es sein, dass eine Hedge-Position, also ein Absicherungsgeschäft, einen solchen Verlust verursacht, ohne dass die abgesicherte Position entsprechend steigt? Handwerklich versagt oder doch Spekulation, als Hedge getarnt? Wie auch immer, danke, JP, für diese wertvollen Denkanstöße in der Regulierungsdebatte, Volcker wird sie gern aufnehmen.

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  • Aus der FTD vom 14.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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