Angesichts all der Tristesse in Europa gelten die USA mittlerweile fast als Hort der ökonomischen Stabilität. Nach der jüngsten Generalrevision der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bietet es sich da an, noch mal einen Blick auf die makroökonomische Lage des Landes zu werfen, wie sie sich aktuell darstellt.
Gemäß den neuesten Daten ist die reale inländische Endnachfrage im zweiten Quartal um nunmehr 16,4 Prozent unter jenem Niveau gewesen, das sich bei Fortschreibung des exponentiellen Trends der 20 Vorkrisenjahre (1988 bis 2007) ergeben würde. Seit 2008 ist die Nachfrage damit bloß in einem einzigen Quartal (Frühjahr 2010) schneller gewachsen, als es vorher trendmäßig der Fall war.
Dabei hat der US-Staat zwischen 2008 und Anfang 2012 (die Daten fürs zweite Quartal fehlen noch) Budgetdefizite von 6134 Mrd. Dollar in Kauf genommen, um die Nachfrage zu stützen. Dazu kommt natürlich die Raserei der Fed.
Allerdings hat die Nachfragepolitik ihre Wirkung in einer Hinsicht durchaus nicht verfehlt. Denn nach den überarbeiteten Daten ist die gesamtwirtschaftliche Nettoersparnis seit Ende 2008 kontinuierlich negativ (Zahlen wieder nur bis zum ersten Quartal) gewesen, womit die USA aus eigener Kraft nicht mal ihren Kapitalstock erhalten könnten. Obwohl sich die nationalen Nettoinvestitionen bloß auf 3,5 Prozent des BIPs belaufen haben, hat das Land im zweiten Quartal Nettoimporte von 3,8 Prozent des BIPs verzeichnet.
Ob die Befürworter der Nachfragepolitik sich das so ausgemalt haben, ist nicht überliefert. Altmodische Exzentriker indes würden derlei als Rezept für eine sichere Pleite verschreiben, zumal ausweislich der Beschäftigungsdaten ausgerechnet an der Bildung gespart wird.
All das ficht die Aktienanleger nicht an, die wie Junkies längst nach der nächsten Geldspritze der Fed gieren. Dass der Crashkurs der Politik einen Crash zeitigen könnte, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Vielmehr zahlen sie selbst in einer Lage wie dieser das 15,6-Fache des GAAP-Gewinns der vergangenen vier Quartale. Es passt ins Bild.