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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

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  09.11.2009, 20:49    

Das Kapital: Nicht viel im Angebot

Als Rentenliebhaber muss man schon sehr davon überzeugt sein, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auf absehbare Zeit nicht mehr voll in Schwung kommt. Gut möglich, doch was die Angebotsseite der Wirtschaft betrifft, hält man es lieber mit den Goldanhängern.

So hoch waren die in Europa eh nicht   So hoch waren die in Europa eh nicht
Geteilter könnte die Meinung kaum sein: Während die Anleger dem Bund zehnjährige Staatsanleihen für 3,3 Prozent (USA: 3,5 Prozent) abkaufen, steigt der Goldpreis  auf über 1100 $ je Feinunze. Die Anleihenliebhaber scheinen davon überzeugt, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auf Jahre hin hinter dem Angebot zurückbleiben wird, weshalb von niedriger Inflation oder gar von Deflation auszugehen wäre. Die Goldanhänger verweisen auf die steigenden Staatsschulden und die unvorstellbaren Summen frischen Zentralbankgelds, mit denen sich die Notenbanken gegen die Krise stemmen. Soweit sie nicht gar staatliche Zahlungsausfälle befürchten, erwarten die Goldanleger zumindest eine früher oder später anziehende Inflation, denn selbst wenn sich die deflationären Tendenzen zunächst weiter verschärfen sollten, wäre ja mit noch rabiateren Gegenmaßnahmen der Geldpolitik zu rechnen.
Während sich die Kontroverse auf die Nachfrageseite der Wirtschaft - private Ent- versus staatliche Verschuldung - zu konzentrieren scheint, könnte sie auf der Angebotsseite entschieden werden. Und zumindest da scheinen die Goldanleger die besseren Argumente zu haben. Dazu braucht man nicht mal die Qualifikationsverluste von Langzeiterwerbslosen, die mangelnde fachliche und geografische Mobilität des Faktors Arbeit oder die gesellschaftliche Alterung im Westen anzuführen, die wohl mit steigenden Lohnstückkosten in den Schwellenländern zusammentrifft. Als ähnlich wichtig könnte sich erweisen, dass die viel zitierte Kapitalfehlallokation der vergangenen Jahre eben nicht nur Kreditausfälle und Bankenschieflagen heraufbeschwört, sondern auch das Produktionspotenzial nachhaltig hemmt.
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So ist es zwar denkbar, dass überflüssige Wohnungsbauten oder Zementwerke am Mittelmeer auch das hiesige Preisniveau dämpfen, direkt wegen niedrigerer Urlaubskosten und indirekt, weil arbeitslose spanische Bauarbeiter tendenziell wenig Luxusautos nachfragen. Aber rein angebotsseitig dürfte sich der Effekt solcher Überkapazitäten auf unser Preisniveau in Grenzen halten. Andererseits ist zu bezweifeln, dass der deutsche Bau wirklich die Kapazitäten hat, um alle Autobahnen gleichzeitig zu erneuern. Wichtiger ist die Frage, ob auf den Rohstoffmärkten genug investiert worden ist, denn mit Blick auf die Weltwirtschaftslage scheinen die Preise hier ja bedenklich hoch. Wenn nicht, könnte sich die Globalisierung nun eher als preistreibend erweisen, zumal die Fertigung da, wo es die meisten Vorteile verspricht, längst ausgelagert worden ist. Dazu noch die Kapazitätsausfälle aufgrund von Pleiten, die Einsparungen vieler Firmen in der Forschung sowie die hohen realen Kapitalkosten bedacht, könnten sich selbst die verdrießlicheren Schätzungen zum Produktionspotenzial noch als zu hoffnungsfroh erweisen.
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