Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Erstaunlich, wie ein Mann, der eigentlich als der langweiligste Bürokrat seit John Major gilt, die Gemüter dermaßen erhitzen und die Beobachter dermaßen spalten kann. Die einen lehnen sich entspannt zurück und verweisen darauf, dass, unabhängig von jedem Wahlkampfgetöse, der Handlungsrahmen von François Hollande durch die Planken Angela Merkel und Staatsanleihezinsen ohnehin eingegrenzt sei.
Abgesehen davon, dass die ernst zu nehmenden Teile des Wahlprogramms beider Parteien keine großen Unterschiede aufwerfen. Der andere Teil der Beobachter wiederum konzentriert sich dann doch auf die plakativen Punkte aus Hollandes Programm - auch wenn diese, wie etwa das heruntergesetzte Renteneintrittsalter, in den Fußnoten wieder entkräftet werden - oder zieht Parallelen zu Mitterrands anfänglicher Verstaatlichungsorgie.
Selbst die zuverlässig frankophobe englische Wirtschaftspresse ist gespalten. Während der "Economist" titelte "Der eher gefährliche Monsieur Hollande", mokiert sich die Financial Times über ebendiesen Artikel. Denn dass sich das Magazin sorgt, Hollande wolle tatsächlich eine gerechtere Gesellschaft aufbauen, das sei dann doch etwas albern.
Der französische Leitindex drehte am Montag von einem anfänglichen Minus in ein klares Plus. Die Börse könnte jedoch nervös bleiben, solange Hollande als bereits inthronisierter Präsident weiter Wahlkampf für die Parlamentswahl im Juni macht. Danach, oder spätestens nach dem amtlichen Kassensturz im Juli, wird sich zeigen, wie Hollande wirklich regiert. Die UBS erinnert daran, dass in den vergangenen 30 Jahren die französischen Sozialisten die Maastricht-Kriterien nur in vier ihrer 15 Regierungsjahren rissen, während die Konservativen in ebenso vielen Regierungsjahren elfmal ein Etatdefizit von mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts produzierten.
Plus ça change. Wahrscheinlich ändert sich also unter Hollande weniger als befürchtet. Nur reicht das für Frankreich nicht, insbesondere nachdem sich die Sarko-Jahre als verlorene Jahre herausgestellt haben. Eigentlich muss es da besser werden.