Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
So einen Sprung hat die Aktie seit zehn Jahren nicht mehr gemacht: prozentual zweistellig im Plus. Dass Nokias Vorstand und Mitarbeiter da gleich mitspringen, ist eher unwahrscheinlich. Erstens landet die Aktie nach dieser Tagesrally gerade mal da, wo sie vor einer Woche stand. Zweitens fiel Nokias Marktkapitalisierung am Mittwoch erstmals unter die Marke von 5 Mrd. Euro . Ob psychologisch wichtig oder nicht, demütigend ist es allemal.
Die Gründe für die Freude der Anleger - die angesichts der niedrigen Erwartungshaltung ohnehin schon schnell entfacht werden kann - sind dreierlei: das in der Tat gute Abschneiden von Nokia Siemens Networks. Gerade nach den schlechten Ergebnissen der Rivalen ZTE , Alcatel und Ericsson hätte ein operatives Minus keinen mehr verwundert, doch heraus kam eine positive Marge von 0,8 Prozent bei einem mit 3,3 Mrd. Euro unverhofft hohem Umsatz. Zweitens konnte der Absatz mit dem Smartphone Lumia gegenüber dem Vorquartal auf vier Millionen Einheiten verdoppelt werden, und zuletzt sank die Nettokasse nur um die kecke Dividendenausschüttung in Höhe von 0,7 Mrd. Euro auf 4,2 Mrd. Euro.
Bei genauerem Hinsehen verpuffen letztere zwei Punkte allerdings. Der mittlere Verkaufspreis des Hoffnungsträgers Lumia reduzierte sich innerhalb eines Quartals von 220 auf 186 Dollar . Das half der Marge der Handysparte (minus neun Prozent) genauso wenig wie die Vorratsabschreibung (ohne welche die Marge bei vier Prozent gewesen wäre), die auch auf Lumia-Geräte entfiel.
Und die Nettokasse wäre auch ohne Dividendenzahlung gesunken, hätte Nokia nicht eine Vorabzahlung auf Patente in Höhe von 0,4 Mrd. Euro erhalten.
Doch insgesamt waren die Zahlen nicht schockierend. Das könnten sie jedoch im dritten Quartal werden, wenn sich in der oberen Preisklasse in Antizipation auf das im Spätherbst erwartete erste Windows-8-Gerät nichts mehr verkaufen lässt. Der Tiefpunkt muss noch nicht erreicht sein. Doch er könnte immerhin langsam näher kommen.