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FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Merken   Drucken   19.07.2012, 21:03 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: So krank sind die Märkte  

In Euro sind die Rohstoffpreise über die vergangenen vier Wochen um ein Fünftel gestiegen, in die Nähe ihrer Rekorde. Das ist heute der Preis für haussierende Aktienmärkte. Es wird böse enden. Schönen Dank auch an die Zentralbanken.
© Bild: 2012 DPA/Arne Dedert
Premium In Euro sind die Rohstoffpreise über die vergangenen vier Wochen um ein Fünftel gestiegen, in die Nähe ihrer Rekorde. Das ist heute der Preis für haussierende Aktienmärkte. Es wird böse enden. Schönen Dank auch an die Zentralbanken.

Die Zentralbanken sind zu beglückwünschen. Es ist ihnen neuerlich gelungen, die animalischen Triebe der Anleger zu wecken. Wie gehabt gilt das jedoch nicht nur für die Aktien-, sondern auch für die Rohstoffmärkte. In Euro  gerechnet ist der S&P-GSCI-Rohstoffkostenindex innerhalb von vier Wochen um fast ein Fünftel gestiegen.

Bild des Grauens: Aktien- und Rohstoffpreise im Tagesverlauf   Bild des Grauens: Aktien- und Rohstoffpreise im Tagesverlauf

Er liegt damit bloß noch um 6,5 Prozent unter der Spitze vom Sommer 2008, als ein Konjunktureinbruch sondergleichen folgte. In Euro kalkuliert waren die Rohstoffpreise dann binnen eines halben Jahres um drei Fünftel eingeknickt.

Das hatte vermutlich mehr zur Stabilisierung der Wirtschaft beigetragen als alle Fiskalpakete zusammen. Nun aber - Europa steckt in einer Rezession, und Amerika sowie China schwächeln mächtig - sind die in Euro denominierten Rohstoffpreise um den Faktor 2,4 höher als Ende 2008. Von Stabilisierung keine Spur, ganz im Gegenteil, zumal die Risikoaufschläge von italienischen und spanischen gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen auf fünf respektive sechs Prozentpunkte gestiegen sind.

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Wie schlimm die ungewollten Folgen die Liquiditätsflut sind, zeigt ein Blick auf die Grafik. Darin sind DAX  und Brent-Öl im Verlauf der vergangenen zehn Handelstage abgetragen. Wie leicht zu erkennen ist, bewegen sich die Kurse sogar im Tagesverlauf fast gleich. Nur muss einem mal jemand erläutern, wie sich das Angebots-Nachfrage-Verhältnis auf dem Ölmarkt im Sekundentakt ändern kann, nur weil Aktien gerade ein paar Punkte höher oder niedriger notieren. Außer mit liquiditätsgetriebener Spekulation ist das kaum hinreichend zu erklären.

Ziemlich eindeutig ist hingegen, dass die Binnennachfrage in Europa mächtig unter den Terms of Trade leidet. Selbst in Deutschland sind die realen Umsätze in Einzelhandel und Gastgewerbe, die Auto- und Lkw-Neuzulassungen, die industriellen Inlandsbestellungen und sogar die Bauaufträge letztlich ein Debakel, wenn man sich ihre langfristige Entwicklung vor Augen hält. Auf den Kapitalmärkten jedoch geht das Spiel ungehemmt weiter. Es ist und bleibt krank - und wird ganz sicher böse enden.

08:05:44 Kursinformationen und Charts
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  • Aus der FTD vom 20.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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