Die Zentralbanken sind zu beglückwünschen. Es ist ihnen neuerlich gelungen, die animalischen Triebe der Anleger zu wecken. Wie gehabt gilt das jedoch nicht nur für die Aktien-, sondern auch für die Rohstoffmärkte. In Euro gerechnet ist der S&P-GSCI-Rohstoffkostenindex innerhalb von vier Wochen um fast ein Fünftel gestiegen.
Er liegt damit bloß noch um 6,5 Prozent unter der Spitze vom Sommer 2008, als ein Konjunktureinbruch sondergleichen folgte. In Euro kalkuliert waren die Rohstoffpreise dann binnen eines halben Jahres um drei Fünftel eingeknickt.
Das hatte vermutlich mehr zur Stabilisierung der Wirtschaft beigetragen als alle Fiskalpakete zusammen. Nun aber - Europa steckt in einer Rezession, und Amerika sowie China schwächeln mächtig - sind die in Euro denominierten Rohstoffpreise um den Faktor 2,4 höher als Ende 2008. Von Stabilisierung keine Spur, ganz im Gegenteil, zumal die Risikoaufschläge von italienischen und spanischen gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen auf fünf respektive sechs Prozentpunkte gestiegen sind.
Wie schlimm die ungewollten Folgen die Liquiditätsflut sind, zeigt ein Blick auf die Grafik. Darin sind DAX und Brent-Öl im Verlauf der vergangenen zehn Handelstage abgetragen. Wie leicht zu erkennen ist, bewegen sich die Kurse sogar im Tagesverlauf fast gleich. Nur muss einem mal jemand erläutern, wie sich das Angebots-Nachfrage-Verhältnis auf dem Ölmarkt im Sekundentakt ändern kann, nur weil Aktien gerade ein paar Punkte höher oder niedriger notieren. Außer mit liquiditätsgetriebener Spekulation ist das kaum hinreichend zu erklären.
Ziemlich eindeutig ist hingegen, dass die Binnennachfrage in Europa mächtig unter den Terms of Trade leidet. Selbst in Deutschland sind die realen Umsätze in Einzelhandel und Gastgewerbe, die Auto- und Lkw-Neuzulassungen, die industriellen Inlandsbestellungen und sogar die Bauaufträge letztlich ein Debakel, wenn man sich ihre langfristige Entwicklung vor Augen hält. Auf den Kapitalmärkten jedoch geht das Spiel ungehemmt weiter. Es ist und bleibt krank - und wird ganz sicher böse enden.