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FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Merken   Drucken   06.11.2012, 20:30 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Sogar Frankreich lässt sich von den Firmen rumkriegen  

In der globalisierten Welt sitzen die Firmen nach wie vor am längeren Hebel, wie die Steuererleichterung in Frankreich zeigt. Für die Staaten ist die Politik der Umgarnung der Firmen ruinös. Doch die Anleger freut´s. Für den Moment.
© Bild: 2011 Bloomberg/Antoine Antoniol
Premium In der globalisierten Welt sitzen die Firmen nach wie vor am längeren Hebel, wie die Steuererleichterung in Frankreich zeigt. Für die Staaten ist die Politik der Umgarnung der Firmen ruinös. Doch die Anleger freut´s. Für den Moment.

Die Machthaber dieser Erde bleiben beharrlich auf dem Holzweg. Überall wächst die Ungleichheit. Überall fehlt es den defizitären und überschuldeten Staaten an Mitteln für Bildung, Infrastruktur oder Gesundheit. Fast überall stehen die Staatshaushalte vor großen Belastungen aufgrund der Alterung der Gesellschaft, und jetzt schon wissen sich etliche Länder nur noch mit der Notenpresse zu helfen.

Überall berichten Firmen von satten Nachsteuergewinnspannen und erheblichen Mittelüberschüssen nach Investitionen. Überall sind die Firmensteuersätze deutlich niedriger, als es in den 80ern oder 90ern der Fall war. Überall sind die Firmen der einzige Sektor, der über nennenswerte oder, präziser gesagt, außergewöhnlich hohe Mittelüberschüsse verfügt. Und fast überall auf der Erde fordern die Unternehmen einen noch größeren Anteil am Kuchen und drohen mit Abwanderung, falls der Staat ihnen keine weiteren Erleichterungen zubilligt.

Und wie gehabt lassen die Regierungen sich erpressen respektive für die Interessen der Firmen einspannen. Ein gutes halbes Jahr nach der Firmensteuersenkung in Großbritannien hat Frankreich eine Steuererleichterung für Unternehmen in Höhe von 20 Mrd. Euro  angekündigt, die durch Ausgabensenkungen und Mehrwertsteuererhöhungen finanziert werden soll. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Den nichtfinanziellen Firmen im MSCI Frankreich wird heuer eine Nettogewinnspanne von 5,3 Prozent des Umsatzes prognostiziert, und laut Datastream ist die Rentabilität trotz des jüngsten Rückgangs immer noch so hoch, wie es früher nur in der Spitze des Zyklus der Fall war. Die Mittelüberschüsse werden auf 3,5 Prozent des Umsatzes geschätzt.

Der Körperschaftsteuersatz beläuft sich laut OECD auf läppische 34,4 Prozent. Dem Staat sagt der IWF 2012 ein Defizit von 4,7 und einen Schuldenstand von 90 Prozent des BIPs vorher. Den an sich konsumfreudigen französischen Verbrauchern ist längst die Puste ausgegangen. Und was macht der Staat? Entlastet die Firmen. Die Anleger sind begeistert und erwarten noch höhere Dividenden und Aktienrückkäufe. In ein paar Jahren werden sie vermutlich bitter auf 2012 zurückblicken und sich fragen, wohin die Firmenpolitik der bloßen Optimierung von Margen, Bilanzen, Steuern und Marktstellung (Oligopolisierung) geführt hat.

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  • Aus der FTD vom 07.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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