Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Die Finanzwelt blickt gebannt auf Japans Außenhandels- und Leistungsbilanzdaten. Und das längst nicht mehr nur wegen der Hinweise auf die Weltkonjunktur, die sich daraus ergeben. Wenig überraschend sind die Exporte im Oktober schwach geblieben, auch abgesehen von Sondereffekten im Handel mit China. Wichtiger ist, dass die bereinigte Handelsbilanz seit anderthalb Jahren in den Miesen ist.
Selbst die Leistungsbilanz ist zuletzt ins Minus gerutscht. Einzelne Monatswerte sagen natürlich wenig. Doch trotz des Nettoauslandvermögens Japans sind etliche Beobachter nervös im Hinblick auf die nächsten Jahre. Dafür gibt es mehrere Gründe, die hohen Rohstoffpreise oder die Probleme der Elektrobranche etwa, vor allem jedoch die Alterung der japanischen Gesellschaft, die vermuten lässt, dass der Konsum im Verhältnis zur Produktion zunehmen wird.
Dauerhafte Defizite in der Leistungsbilanz würden aber darauf hindeuten, dass der japanische Staat auf ausländische Ersparnisse angewiesen wäre, um sein Defizit von zehn Prozent des BIPs zu finanzieren. Bei Zehn-Jahres-Renditen von 0,7 Prozent könnte der Appetit der Ausländer auf Anleihen indessen begrenzt bleiben, zumal der Staat mit 237 Prozent des BIPs in der Kreide steht (netto 135) und die Währung hoch bewertet ist. Entsprechend wächst der Druck auf die Zentralbank von Tag zu Tag, die Staatsschulden zu monetisieren.
Die EZB sollte die Meldungen aus Japan besser genau verfolgen. Sie zeigen, was einer Notenbank blüht, die sich auf die Finanzierung des Staates eingelassen hat: Die Forderungen der Politik werden immer dreister.