Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Nachdem die Tochter immerhin den größten Börsengang 2012 in Frankfurt hingelegt hat, ist auch hier das Interesse für die Mutter Telefónica größer geworden. Schließlich befindet sich ein Aktionär von Telefónica Deutschland in einer zwiespältigen Situation: Er weiß, dass sämtliche Börsenerlöse in die Kasse der klammen Mutter flossen. Und er weiß, dass die Mutter auch weiterhin großes Interesse an hohen Mittelzuflüssen aus Deutschland haben wird. Über die entsprechend hohen Dividenden mag er sich dann zwar mitfreuen, doch muss er sich ja stets auch fragen, wie viel Dividendenausschüttung der deutschen Tochter guttut. Dass die Telekomfirmen nicht mehr wachsen - für Telefónica sieht der Konsens bis mindestens 2015 kein Wachstum -, heißt nicht, dass sie nicht mehr investieren müssen.
Auch für die Mutter Telefónica ist die Dividende, die eigene, eine vertrackte Sache. Denn natürlich ist die Stabilität der Dividende bei Telekomfirmen eine Frage der Ehre, gerade in Spanien. Doch als Telefónica ihre Streichung im Sommer verkündete, stieg die Aktie - kein Wunder bei einem Schuldenstand von 58 Mrd. Euro. Dieser hat sich zwar bis November auf 53 Mrd. Euro reduziert, dennoch stutzt man bei dem Gedanken, dass Telefónica bereits 2013 wieder 75 Cent ausschütten möchte. Das sind 3,4 Mrd. Euro und damit mehr als doppelt so viel, wie Telefónica für die Teilversilberung der deutschen Tochter eingenommen hat. Und die Verkäufe von Tochterfirmen und der Verkauf von Aktiva - etwa den Sendemasten - sollen weitergehen. Neben zahlreichen operativen Einsparungsprogrammen, die auch im dritten Quartal bereits wirkten. Was die Frage aufwirft: Räumt die Firma der Dividendenausschüttung eine zu hohe Priorität ein und schrumpft lieber weiter, obwohl das die zukünftigen Erträge schmälern könnte? Oder erledigt Telefónica einfach nur aufgeschobene Hausaufgaben und kehrt die im Zuge der aggressiven Expansion angehäuften, teils unterdurchschnittlich wirtschaftenden Einheiten wieder aus? Das wäre dann ein schönes Beispiel dafür, wie befreiend ein zyklischer Abschwung sein kann.