Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Welche Rolle Politik beim Autobau spielt, muss man Toyota nicht erklären. Noch 2009 wollten einige US-Politiker die Japaner am liebsten aus dem Land jagen, nachdem das Unvermögen einiger US-Bürger, das Gas- vom Bremspedal zu unterscheiden, zu einer riesigen Rückrufaktion führte. Gleichzeitig erhielten diese Politiker den Erzrivalen GM mit einer staatlich sanktionierten Entschuldung am Leben, sodass dieser 2011 wieder an Toyota vorbei auf Platz eins der Verkaufscharts gelangen konnte. Doch am meisten machen Toyota die geldpolitischen Schläge der USA zu schaffen, zu denen sich auch noch die Euro-Schwäche gesellt. Um ein Drittel hat der Dollar und um 40 Prozent der Euro an Wert gegenüber dem Yen seit 2007 eingebüßt. Unter Japans großen Herstellern leidet Toyota mit einem heimischen Produktionsanteil von 53 Prozent am meisten darunter. Die Firma hat nicht vor, diesen Anteil schnell drastisch zu reduzieren. Vom operativen Ergebnis des Jahres 2011 fraßen Währungseffekte 70 Prozent auf.
Doch immerhin könnte Toyota diesen Weg noch gehen. Wie der Firma überhaupt noch einige Maßnahmen offenstehen, die Ergebnisse aus eigener Kraft weiter zu verbessern. Diese waren für das im März abgelaufene Geschäftsjahr recht mau. Im Industriebereich erwirtschaftete man - auch aufgrund von Tsunami und Thailand - fast nichts, die ohnehin dünne operative Konzernmarge von 1,9 Prozent trug fast ausschließlich der Finanzarm. Doch in der Quartalsbetrachtung ist ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen: Im vierten Quartal stellte man fast doppelt so viele Autos her wie noch im ersten, und die Marge stieg auf 4,2 Prozent. Dieses Jahr nun will Toyota den Umsatz um 18 Prozent steigern, also Marktanteile zurückgewinnen, und die operative Marge auf 4,5 Prozent hieven. Das wäre immer noch nur die Hälfte von den Vorkrisenjahren, aber angesichts der bereits laufenden Kostenmaßnahmen realistisch. Der Konsens rechnet für 2013 dann mit sechs Prozent und bezahlt auf dieses Ergebnis heute ein KGV von neun. Womit die Wende fair bezahlt ist.