Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Die Anleger legen ihre Geschicke in die Hände der Notenbanken. Aber haben diese auch alles im Griff? Die Fed versucht mit Gewalt, den Wirtschaftsakteuren das Sparen zu verleiden und die Kreditaufnahme zu versüßen. Wir reden über eine Ökonomie, die netto seit Ende 2008 entspart. Der Staat steht mit 16.000 Mrd. Dollar (mehr als 100 Prozent des BIPs) in der Kreide, die Verbraucher mit 12.919 Mrd. Dollar, die Unternehmen mit 11.953 Mrd. Dollar und der Finanzsektor mit 13.744 Mrd. Dollar.
Kann die Nachfragepolitik der Fed da die richtige Strategie sein? Lassen wir die mittel- und längerfristigen Risiken des Gelddruckens - Kapitalfehlallokation, Blasen und Überschuldung - ebenso außen vor wie die Gefahr eines plötzlichen Vertrauensverlustes respektive eines abrupten Anstiegs der Inflationserwartungen. Stellt sich immer noch die Frage, ob sich angehende und heutige Rentner eher zu einem höheren oder niedrigeren Konsumniveau ermutigt sehen, wenn zehnjährige Staatsanleihen nominal mit 1,8 und real mit minus 0,75 Prozent rentieren. Und wer gibt denn da noch Kredit?
Wie weit sind die USA da, genereller gesprochen, wohl noch von der gefürchteten Liquiditätsfalle entfernt? Und riechen die Maßnahmen der Fed nicht dermaßen nach Verzweiflung, dass sie eine Investitionsfalle geradezu heraufbeschwören? Dass sich die Bank of Japan zu einer neuen Lockerung genötigt sieht, wird das Vertrauen der Firmen nicht gerade erhöhen. Und was wäre, wenn die Republikaner die Wahl trotz ihres Kandidaten gewännen? Was vermochte die Geldpolitik auszurichten, wenn es 2013 zum fiskalischen Knall käme? Welche Haltung wird die neue Führung Chinas, des großen Gläubigers der USA, gegenüber der Fed-Politik einnehmen?
Nein, der Glaube an die Allmacht der Notenbanken ist ebenso riskant wie das Unterfangen der EZB, spanische Anleihen in unbegrenztem Maße aufzukaufen, derweil die faulen Kredite der dortigen Banken fortwährend zunehmen. Als größtes Problem dürfte sich dereinst der Zugzwang zum Gelddrucken erweisen, unter den sich die Notenbanken gegenseitig setzen. Die Anleger werden jene Geldpolitik, die sie derzeit bejubeln, letztlich noch verfluchen.