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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   21.11.2012, 20:30 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Unfassbare Übernahmen aus zweierlei Perspektive  

Bei der Fusion von Glencore und Xstrata wird es genügend Verlierer geben, etwa auf der Kundenseite. Ob es sich für die Aktionäre rechnet oder nicht, spielt dabei eine geringere Rolle als angenommen. Zu Recht, in einigen Fällen.
© Bild: 2012 Reuters/MICHAEL BUHOLZER
Premium Bei der Fusion von Glencore und Xstrata wird es genügend Verlierer geben, etwa auf der Kundenseite. Ob es sich für die Aktionäre rechnet oder nicht, spielt dabei eine geringere Rolle als angenommen. Zu Recht, in einigen Fällen.

Ivan kriegt, was Ivan will. Das kleine Schnäpschen mehr, das der Chef von Glencore  für Xstrata  hinlegen musste, wird ihn nicht stören. Auch die Kartellbehörden wird er noch um den Finger wickeln können. Dabei klingen die kolportierten Marktanteile schon erschreckend genug: Unter anderem zehn Prozent bei verschiffter Kohle, drittgrößter Kupferproduzent, größter Zinkproduzent mit global elf Prozent und europaweit 40 Prozent Marktanteil.

Das sind die aggregierten Zahlen. Auf lokaler oder produktspezifischerer Ebene dürfte die Dominanz noch frappierender sein. Allein deswegen wird sich die Fusion für Glencore rechnen. Doch ob sich eine Übernahme rechnet oder nicht, ist schwer zu beantworten. Auch wenn bekanntlich unzählige Untersuchungen bestätigen, dass sich die meisten Übernahmen nicht rentieren. Ob gemessen anhand der Kursentwicklung, anhand des Vergleichs der späteren Erfolgszahlen mit fortgeschriebenen Pro-forma-Zahlen oder anhand einer kaufobjektbezogenen Ertragswertrechnung: Egal wie, alle Modelle kranken natürlich daran, dass keiner weiß, wie sich die Firmen eigenständig weiterentwickelt hätten. Und welche Verschiebungen in der GuV auf die Fusion, und welche auf veränderte externe Einflüsse zurückzuführen sind. Ein ceteris paribus fehlt.

Richtig schwer einzuordnen wird es, wenn man eine Firma als eigenständiges Subjekt betrachtet und nicht nur als wertzuoptimierendes Eigentum der Aktionäre. Entgegen der reinen Lehre müssen Firmen- und Aktionärsinteressen nicht identisch sein. Denn für die Firma kann eine Übernahme, die sich streng ertragswerttechnisch nicht rechnet, den Unterschied zwischen Siechtum und Überleben bedeuten, darüber, ob man frisst oder gefressen wird. Eine Übernahme kann eine Firma in eine Größenordnung katapultieren oder ihr Produkte und Geografien erschließen, die erfolgsentscheidend sein können. Wichtig ist, ob das Kaufobjekt strategisch und kulturell zum Käufer passt. Bei Chrysler, Reebok, Airborne hätte auch kein geringerer Preis geholfen. Nach Lindes erfolgreicher BOC-Integration fragt hingegen heute keiner mehr nach dem Preis.

Eine Fusion ergibt nicht deswegen Sinn, weil ein Excel-Spreadsheet - bei allen methodischen Ungenauigkeiten - eine Überrendite "prognostiziert". Bei aller berechtigten Kritik muss man Ivan Glasenberg daher Respekt vor seinem Unternehmertum zollen, das sich bis heute auch rechnet. Insbesondere angesichts der zunehmenden Dominanz kurzfristig denkender Kostenrechner auch in deutschen Konzernen, die mal unternehmerisch geprägt waren.

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  • Aus der FTD vom 22.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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