Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Aktien sind eine prima Sache, wenn sie in einer gleichgewichtigen Wirtschaft zu günstigen Preisen zu erwerben sind. Nur kann von einer gleichgewichtigen Wirtschaft keine Rede sein, wenn in Europa ein Staat nach dem anderen von den Rentenmärkten beargwöhnt wird, derweil hoch regulierte Branchen in Saus und Braus leben. Der Branche Pharma/Biotech im MSCI Europa wird für 2012 eine Nachsteuergewinnspanne von 20,7 Prozent des Umsatzes vorhergesagt, bei Mittelüberschüssen nach Investitionen von 19,7 Prozent des Umsatzes.
Der Telekombranche werden Gewinne von 10,5 und Mittelüberschüsse von 11,3 Prozent des Umsatzes prognostiziert. Dabei steht vielen Medikamente zahlenden Staaten das Wasser bis zum Hals, während die Telefongebühren nicht nur arbeitslose Jugendliche ärgern. Branchen wie diesen dürfte noch Ärger ins Haus stehen.
Die Realeinkommensschwäche könnten zwar auch weniger regulierte Bereiche wie Nahrungsmittel/Getränke/Tabak zu spüren bekommen, wo sowohl Gewinnspannen als auch Mittelüberschüsse von 10,8 Prozent geschätzt werden. Doch solange die Verbraucher auf heftig beworbene Markenware hereinfallen, ist das immerhin ihre Sache.
Noch ungleichgewichtiger scheint die Lage in Amerika, wo der reale Wochenlohn einfacher Beschäftigter unter dem Zeitreihenbeginn 1964 liegt und der Staat 2011 neuerlich ein Budgetdefizit von mehr als einem Viertel der privaten Vorsteuerlohnsumme fabrizieren musste, um das System zu stabilisieren. Doch fast die Hälfe der nichtfinanziellen Firmen im S&P 500 notiert mit einem geschätzten Kurs-Umsatz-Verhältnis von mehr als 1,5. Bei einem KUV von 1,5 bedarf es einer Nettomarge von zehn Prozent, um auf ein KGV von 15 zu gelangen.
Nur wird tatsächlich ein gutes Fünftel der nichtfinanziellen Firmen im Weltleitindex mit einem KUV von mehr als 2,5 bewertet. Doch trotz rekordverdächtiger Margen glauben die Anleger an fortgesetztes Gewinnwachstum. Knapp ein Fünftel der nichtfinanziellen Firmen im S&P 500 notiert mit einem geschätzten KGV von mehr als 20. Es ist krank.