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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   04.12.2012, 19:00 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Von wegen die Renten sind sicher

Die Renditen von Staatsanleihen bonitätsstarker Länder sind zur Zeit sehr niedrig. Zudem ist es ungewiss, ob sie sich jemals rentieren werden. Denn sollte sich die Wirtschaft dieser Staaten nur annähernd so schwach entwickeln, wie es die Anleihekurse implizieren, ist eine vollständige Rückzahlen kaum noch gegeben.
© Bild: 2012 DPA/Bundesbank
Die Renditen von Staatsanleihen bonitätsstarker Länder sind zur Zeit sehr niedrig. Zudem ist es ungewiss, ob sie sich jemals rentieren werden. Denn sollte sich die Wirtschaft dieser Staaten nur annähernd so schwach entwickeln, wie es die Anleihekurse implizieren, ist eine vollständige Rückzahlen kaum noch gegeben.

Es ist die Mutter aller Blasen. In Deutschland belaufen sich die Renditen von Staatsanleihen auf null Prozent auf zwei Jahre, 0,4 Prozent auf fünf, 1,4 Prozent auf zehn und 2,1 Prozent auf 30 Jahre. Ähnliches gilt für andere Industrieländer, die als bonitätsstark eingestuft werden. Dass man langfristig nur verlieren kann, liegt auf der Hand. Denn wenn sich die Volkswirtschaften dieser Länder nur annähernd so schwach entwickeln, wie es die Anleihekurse implizieren, kann die vollständige Rückzahlung der Kredite angesichts der bereits hohen Staatsverschuldung von 110 Prozent des BIPs der entwickelten Ökonomien (2012 laut IWF) und der Vergreisung der Bevölkerungen kaum noch als gegeben angesehen werden.

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Gelingt es den Industrieländern hingegen wieder, ein nominales Wachstum von vier bis fünf Prozent zu erzielen, werden sich Anleihen erst recht als fürchterliche Anlage erweisen. Doch wenn Zentralbanken einmal damit anfangen, die Staaten zu finanzieren, endet das ja nicht selten in Inflation. Und diese könnte schneller kommen, als die meisten - mit Blick auf unausgelastete Kapazitäten und die hohe Arbeitslosigkeit - denken. Denn bei zunehmenden Zweifeln an der Stabilitätsorientierung der Zentralbanken könnte die Geldumlaufgeschwindigkeit plötzlich und steil ansteigen.

Von Betrügereien bei der Preismessung abgesehen, kann man sich dagegen zwar mit inflationsgekoppelten Anleihen absichern. Nur sind deren Renditen längst negativ, in Amerika bis zu einer Laufzeit von 20 Jahren (fünf Jahre: minus 1,5 Prozent). Zudem müssten die Staaten bei hohen Preissteigerungsraten vermutlich mehr inflationsgekoppelte Anleihen emittieren - oder hohe Inflationsrisikoprämien auf Nominalanleihen entrichten. Beides würde den Ausweg über die Inflationierung erschweren, womit die oben beschriebenen Bonitätsprobleme auch auf Realanleihen zutreffen. Natürlich kann man mit Anleihen weiter spekulieren, etwa mit Blick auf die schwachen Industrie-PMIs in Amerika, Japan und Europa. Doch für eine langfristige Anlage sind Renten viel zu teuer.

  • Aus der FTD vom 05.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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