FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Aktien » Wachstumspakt oder Spardiktat - sonst nichts?
  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   02.05.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Wachstumspakt oder Spardiktat - sonst nichts?  

Premium Einen Wachstumspakt als Gegenmodell zum Spardiktat zu entwerfen, hilft nicht weiter. Denn es geht nicht ums Sparen, sondern um die Restrukturierung des europäischen Modells. Das kann sowohl Sparen als auch Investieren heißen.

Wachstumspakt. Das Wort allein weckt schon Assoziationen irgendwo zwischen Teestube, Aktionsgemeinschaft gegen rechts, runder Tisch für Beschäftigung oder Urschreitherapie im Wald. Vielleicht gut gemeint, vielleicht eine Alibiveranstaltung, in aller Regel aber viel Lärm um nichts.

Dass die Bundeskanzlerin dieses aufgewärmte Frühjahrsmotto so rasch aufnahm, könnte mit ihrer Ahnung zu tun haben, dass man sich europaweit ohnehin in Kürze auf nichts Konkretes wird einigen können. Worauf auch? Wachstumspakt.

Das klingt so niedlich, als müssten sich nur ein paar Regierungschefs und Zentralbanker an die Hände fassen und proklamieren: Noch weiter runter mit den Zinsen, noch mehr Liquiditätsspritzen und dazu noch ein paar subventionierte Arbeitsplätze und staatliche Infrastrukturprojekte, und schon brummt die Wirtschaft wieder. Man kann über die Wirksamkeit von Konjunkturpolitik schon in normalen Zeiten debattieren. Wie sie aber über Jahre entwickelte Vermögenspreisblasen, Fehlallokationen - man denke an Spaniens Wohnungsneubau, der 2007 den von Italien, Großbritannien und Deutschland zusammen übertraf - und eingebüßte Wettbewerbsfähigkeit kompensieren soll, ist allerdings rätselhaft.

Dennoch dürfen Leute wie Lawrence Summers weiterhin Vorschläge, Europa müsse seine Verschuldung weiter ausbauen, ungestraft verbreiten, ebenso wie Aussagen, für die Krise der Peripherie seien einzig die kollabierten Finanzmärkte ursächlich. Oder dass es realistisch sei, ihnen zuerst monetär zu helfen, um anschließend auf Reformen und politischen Wechsel zu hoffen. Ohne Druckmittel.

Für mehr Sachlichkeit sorgt da erneut Kenneth Rogoff. Zusammen mit Kollegen stellte er fest, dass in Zeiten einer Staatsverschuldung von über 90 Prozent des BIPs das Wachstum um 1,2 Prozentpunkte niedriger ausfiel. Und dass diese Schuldenphasen nicht zyklischer Natur waren, sondern im Schnitt 23 Jahre dauerten. Wenig Impulse also vom populistischen Schuldentrieb. Doch das eigentliche Problem ist, dass mit der Ausrufung vom Spardiktat - und eben nicht Strukturreformen - als finsterem Gegenmodell zum Wachstumspakt Summers und Konsorten einem konstruktiven Diskurs im Weg stehen.

  • Aus der FTD vom 03.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Sonderabo Werbefreiheit
 
Fokussieren Sie sich auf die Inhalte.
Mit dem Sonderabo Werbefreiheit erleben Sie die Website der FTD zukünftig ohne Werbeeinblendungen.
Sonderabo Werbefreiheit für 6,90 Euro im Monat

 

Sonderabo Werbefreiheit bestellen Zur Abo-Übersicht
FTD.de Themenseite Büro
FTD.de Themenseite Büro

Organisation am Arbeitsplatz, Neues zum Arbeitsrecht, Tipps und Tricks für den Büroalltag und Unterhaltsames für die Mittagspause finden Sie hier. mehr

Web-Abo Web-Abo ab 6,90 Euro im Monat
Online Services
Erfahren Sie mehr Zur Abo-Übersicht
Digital-Abo Digital-Abo ab 16,90 Euro im Monat
Online Services
  • Zugriff auf alle aktuellen Premium-Artikel
  • Verschiedene digitale Produkte, wie z.B. die FTD als Online-Ausgabe (PDF)
Mobile Services
  • Alle Ausgaben der FTD als App auf Ihrem Tablet
  • Alle Funktionen in der iPhone-App, wie z.B. die Vorlesefunktion von Artikeln
Digital-Abo bestellen Zur Abo-Übersicht
für Abonnenten
 

Fragen über die FTD Zum Abschied noch ein Quiz über uns

Die Quizze auf FTD.de waren so berüchtigt wie beliebt: Nie einfach, immer spaßig, oft ironisch, gelegentlich selbst für Experten unlösbar - am Ende selbstreferenziell. Viel Spaß!

An welchem Tag erschien die erste FTD?

Alle Tests

© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler