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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   08.05.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Wäre Griechenland doch nur sich selbst überlassen  

Premium Dass sich die Griechen jetzt nicht nur von korrupten, sondern auch radikalen Parteien regieren (geht das überhaupt?) lassen wollen, ist natürlich Schuld des ausländischen Spardiktats. Dieses, und nicht Griechenland, muss sich ändern. Ist schon klar.

Nein, den Griechen kann man natürlich keinen Vorwurf machen. Dass sie so wählten, wie sie wählten, ist Schuld der Deutschen und des IWF. Nur zu verständlich, dass sich das griechische Volk gegen die auf Totsparen fixierte Tyrannei aus dem Ausland wehrt. Wie schön könnten sie es nur haben, wären sie doch ihres Schicksals eigener Herr. Doch die, denen sie so viel schulden, machen ja alles kaputt.

Es gibt zwei Möglichkeiten, auf derlei Kommentare zu reagieren, wonach das teutonische Spardiktat Ursache der griechischen Misere ist und weitere Milliardentransfers in das Land, das seit Jahren eindrucksvoll demonstriert, wie es damit umgeht, die Probleme lösen würden. Entweder, man ärgert sich jedes Mal aufs Neue. Und fragt sich, warum die internationale Gemeinschaft einen zig Milliarden schweren Schuldenschnitt akzeptieren, wiederholt zig Milliarden schwere Hilfspakete für Griechenland schnüren und Hundertschaften von Beamten ins Land schicken soll, wenn sie am Ende dafür ohnehin nur beschimpft wird. Und das, nachdem Griechenland als EU-Mitglied bereits jahrelang Nettotransferempfänger war und nachdem Griechenland als reingeschummeltes Euro-Mitglied jahrelang von niedrigen Zinsen profitierte.

Man kann sich auch jedes Mal wieder fragen, was zusätzliche Geldtransfers in ein funktionsunfähiges Staatsgebilde bewirken sollen, außer dass das Geld erneut in den Händen der etablierten Nomenklatura landet, die es dann wiederum zügig ins Ausland schafft. Überhaupt könnte man sich natürlich fragen, wo nicht nur bei Griechenland dieses scheinbar angeborene Recht herkommt, sich darüber echauffieren zu dürfen, wenn einem das Ausland nicht klaglos jährliche Budgetdefizite von fünf bis zehn Prozent finanziert.

Oder man spart sich die Aufregung und fragt sich, was just deutsche Kommentatoren zur ständigen Verdammung dieser Außenpolitik drängt. Und gelangt zum Ergebnis: Es ist diese Mischung aus Schuldgefühl und fehlendem Selbstbewusstsein. Hier haben uns die Griechen ganz klar was voraus.

  • Aus der FTD vom 09.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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