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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   15.09.2009, 13:21 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Was Geld und Kaffee verbindet  

Spätestens durch Lehman wurde klar: Manche betrachten Geld mittlerweile nicht mehr als Schmier-, sondern als ein Antriebsmittel. Wenn überhaupt ist es nur ein Aufputschmittel mit entsprechend kurzfristiger Wirkung.
Geld wurde dereinst als Mittel zum Zweck eingeführt, um den Warentausch zu vereinfachen. Nicht als Selbstzweck, sondern als Betriebsmittel, als Schmiermittel. Als solches muss es ähnlich dem Motoröl stets in der richtigen Dosierung eingesetzt werden, entsprechend der Größe des Pkw-Motors. Die Bezugsgröße für das Geld ist die Wirtschaftsleistung eines Landes, beide sollten daher langfristig in gleichem Maße steigen.
Diese Relation ist bekanntlich schon etwas länger vor allem in den USA aus den Fugen geraten - seit über einem Jahrzehnt wird daher gern die überbordende Liquidität auch als Erklärung für Preisblasen in verschiedenen Vermögensklassen bemüht. Mit dem Zusammenbruch von Lehman, so will es die Sage, wurde nicht nur Vermögen vernichtet, sondern den Märkten infolge der Insolvenz Liquidität entzogen. Es musste also schleunigst neue her, und sie kam in Massen. Lehman sorgte damit nicht für eine Ernüchterung oder gar Besinnung, wie mit Geld umzugehen sei, sondern, im Gegenteil, verstärkte altes Fehlverhalten noch.
Geld wird mancherorts nicht mehr als Motoröl, sondern als Benzin betrachtet, welches eine Wirtschaft durch seine pure Existenz oder gar Masse schon zum Laufen bringt. Nun ist es sicherlich ein Problem, dass Geld so einfach herzustellen und in Umlauf zu bringen ist, während die Konsequenzen dieser Überschwemmung erst später sichtbar werden. So betäubt wird da manch Ökonom, dass er gar glaubt, eine Volkswirtschaft lasse sich dadurch retten, dass dem Volk Geld dafür geboten wird, sein mobiles Vermögen zu verschrotten.
Als die vormalige Gelddruckmaschine Lehman den Geist aufgab, kursierten bald Kaffeetassen mit ihrem Aufdruck im Netz. Vielleicht ist die Wirkung des Geldes besser mit Kaffee zu vergleichen. Er weckt keine Toten, macht aus Lahmen keine Läufer. Aber er kann Müde kurzfristig beleben. Doch nach dem Zwischenhoch sind sie noch müder. Langfristig kann man einen Organismus wie Körper oder Wirtschaft nicht austricksen - er holt sich die zuvor übermäßig erpresste Energie zurück. Darauf trinken wir grad einen doppelten Espresso.
  • Aus der FTD vom 15.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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