Der Finanzminister spricht sich für überdurchschnittliche Lohnerhöhungen aus, die Bundesbank akzeptiert Preissteigerungen von etwas mehr als zwei Prozent. Und das bei Renditen von 1,5 Prozent auf zehnjährige und 2,2 Prozent auf 30-jährige Bundesanleihen. Selbst wenn die Chemie- oder die Metallgewerkschaften bloß die Hälfte ihrer Lohnforderungen durchsetzen können, geht die reale Zinsbelastung für Hypotheken da gegen null.
Firmen wie BMW zahlen auf fünf Jahre bloß zwei Prozent Zinsen, womit die Investitionsfinanzierung geschenkt ist. Dazu kommt ein Zustrom von ausländischen Facharbeitern, die zu Hause keine Anstellung finden - und hierzulande nicht nur den Rückgang, sondern auch die Vergreisung der Bevölkerung aufhalten.
Diese Menschen brauchen Essen und Trinken, Wohnraum, Einrichtungsgegenstände, Kindergartenplätze und vieles mehr, sodass schon von daher mit zusätzlicher Inlandsnachfrage gerechnet werden kann.
Die Firmen derweil verzeichnen enorme Mittelüberschüsse und profitieren von einem sehr wettbewerbsgünstigen realen Wechselkurs. Schon deshalb wären anziehende Investitionen zu erwarten, doch wegen der Stabilität der Republik gehen etliche Beobachter ferner von einer zunehmenden Beliebtheit Deutschlands als Investitionsstandort aus. Der staatliche Konsolidierungsbedarf ist relativ überschaubar, und zumindest im internationalen Vergleich gilt dies auch für die Verschuldung aller nichtfinanziellen Sektoren.
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Insofern scheint weiter steigenden Hauspreisen nichts im Weg zu stehen, was für positive Vermögenseffekte spräche. Bei zunehmender Knappheit auf dem Arbeitsmarkt hätten vielleicht sogar die rund acht Millionen atypisch Beschäftigten bessere Chancen auf reguläre Stellen.
Wenn es, kurzum, in Deutschland jetzt nicht brummt, wann dann? Und damit meinen wir nicht das laue Lüftchen, von dem alle schwärmen: Im vierten Quartal 2011 lag das BIP um 0,5 Prozent über dem Stand von Anfang 2008, die Inlandsnachfrage ist über die vergangenen zehn Jahre im Mittel um 0,7 Prozent gestiegen. Nein, wir meinen einen Boom, der diesen Namen verdient. Er würde viele beglücken, im In- wie im Ausland. Außer natürlich jene, die 30-jährige Bunds für 2,2 Prozent kaufen. Die scheinen nicht so recht an die Insel der Glückseligen zu glauben. Bei einer Exportquote von mehr als 50 Prozent des BIPs fällt das auch weiter schwer.