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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   10.10.2010, 19:05 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Wieder mal der Macht-nix-Reflex

In Europa fliegen die fiskalischen Fetzen, in Amerika schmiert der Arbeitsmarkt weiter ab, in Asien knicken die Frühindikatoren ein, doch macht nix: Bei einer Exportquote von 46 Prozent des BIP steckt Deutschland das schon weg.
Deutschland hat sich zu einem der Lieblinge der Weltfinanzgemeinde gemausert. Und die jüngsten Daten geben den Anlegern recht. Die Aufträge der sehr wettbewerbsfähigen Industrie haben im August um 3,4 Prozent zum Vormonat zugenommen und nähern sich rapide dem Vorkrisentrend an. Ähnliches gilt für die Industrieproduktion, die um elf Prozent überm Vorjahr liegt. Die nominalen Warenexporte, die für 39,5 Prozent des BIPs stehen, sind im August zwar zum zweiten Mal nacheinander gesunken, das jedoch nach enormen Zuwächsen im ersten Halbjahr; da die Auslandsumsätze der Industrie im August um 3,6 Prozent zum Vormonat gestiegen sind, muss man in die trotz Saisonbereinigung volatilen Monatsdaten nicht allzu viel hineindeuten. Gleichzeitig lassen Arbeitsmarkt, Stimmungsindikatoren, Zinsumfeld und Firmengewinne auf eine spürbare Belebung der Inlandsnachfrage hoffen, wobei auch der staatliche Konsolidierungsbedarf vergleichsweise gering ist.
Dynamische Weltkonjunktur?   Dynamische Weltkonjunktur?
Und so sehen die meisten Ökonomen auch in der Abschwächung des globalen Zyklus keine größere Gefährdung für die hiesige Wirtschaft, da die Firmen, erstens, auf einem guten Auftragspolster säßen und, zweitens, von der dennoch dynamischen Weltkonjunktur profitierten. Ersteres mag durchaus der Fall sein, obwohl gerade Großaufträge schnell storniert sind. Letzteres aber entspringt höchstens noch den Wunschträumen der Volkswirte. Wo bitte ist die Konjunktur denn noch dynamisch? In Europa, das auf Basis der saisonbereinigten Bundesbankdaten in den vergangenen drei Monaten 71 Prozent der deutschen Ausfuhren aufgenommen hat und wo die fiskalischen Fetzen fliegen? In Amerika, dessen Wirtschaft immer noch auf die ganze Erde ausstrahlt und das im September (ohne Volkszähler gerechnet) 18.000 Stellen eingebüßt hat, darunter 15.000 private und 58.000 staatliche Posten im Bildungswesen? Bezeichnend ist jedenfalls, dass die Konsumgüteraufträge in der deutschen Industrie einfach nicht anspringen wollen, ähnlich wie in der amerikanischen.
Macht nix, heißt es, die hiesige Industrie habe ja die richtigen Produkte, um dem vibrierenden Rest der Welt, der für 22,4 Prozent der deutschen Exporte steht, in seiner Entwicklung zu helfen. Genau, nur dass etwa Asien, das inklusive Japan 15,4 Prozent der deutschen Ausfuhren abnimmt, seinerseits ein paar Produkte im Angebot hat, weswegen die deutsche Handelsbilanz mit diesem Kontinent wieder ins Minus gerutscht ist. Allein das Handelsdefizit mit China (gleitende Zwölfmonatssumme) ist seit Februar um 2,5 auf 19,2 Mrd. Euro gestiegen, was die konjunkturellen Asienschwärmereien zumindest relativiert. Davon abgesehen sollten sich die Anleger die OECD-Frühindikatoren für den August lieber ganz genau anschauen, denn die zeigen selbst in Asien schon seit Monaten in die falsche Richtung, von Europa und Amerika ganz zu schweigen.
  • Aus der FTD vom 11.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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