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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   18.05.2008, 19:56 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Zehn lange Jahre und mehr  

Die Ausführungen von Alan Greenspan im Dezember 1996 vom irrationalen Überschwang scheinen längst vergessen, konnten zeitlich aber kaum besser gewählt gewesen sein. Natürlich stiegen die Welt-Aktienkurse danach noch mehr als drei Jahre und erreichten schließlich sogar schwindelerregende Höhen.
Doch rechnet man den MSCI Welt in Euro um und berücksichtigt zudem die hiesige Verbraucherpreisinflation, notieren die Weltaktienmärkte real nun auf dem Niveau vom Sommer 1997. Reale Kursgewinne konnte man seither nur in Europa - der reale MSCI Europa liegt in etwa auf dem Stand von Anfang 1998 - und in den Schwellenländern erzielen, die Zuwächse von rund einem Viertel gebracht haben - kumuliert. In den USA und vor allem in Japan sah es unterdessen ziemlich trübe aus.
Vielleicht sind es solche Erwägungen, auf denen die jüngste heftige Erholung an den Aktienmärkten fußt. Denn Kreditkrise hin oder her: Wenn Aktien sich seit mehr als zehn Jahren nicht bewegt haben, müssen sie ja billig sein, nicht wahr? Von wegen. Im Verhältnis zum nominalen BIP steht der MSCI Deutschland um fast drei Fünftel über dem Durchschnitt seit 1970. In den USA, wo das verlässliche Datenmaterial weiter zurückreicht, liegt das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu nominalem BIP um 35 Prozent über dem Durchschnitt seit 1952. Ganz generell ist es schwer, in den Industrienationen Aktienmärkte zu finden, die nicht deutlich über ihrem langfristigen realen Trend notieren.
Auslandsaufträge in Gefahr
Wie kann das sein nach gut zehn Jahren realer Stagnation? Nun, zum einen hatte Greenspan seine Warnung 1996 nicht umsonst ausgesprochen, da die Aktienmärkte seit 1982 ja schon dramatisch gestiegen waren. Zum anderen hat die Rentabilität der Firmen über die vergangenen Jahre ungeahnte Rekorde erreicht. Dass Länder wie die USA, Großbritannien, Spanien oder Australien über ihre Verhältnisse gelebt haben, hat aber nicht nur das Kredit- und Wertpapiergeschäft der Banken angeheizt. Es hat auch der deutschen Industrie zu derart vielen Aufträgen verholfen, dass sie trotz fallender Lohnstückkosten - und entsprechend mauer Inlandsnachfrage - ständig die Preise anheben konnte, womit die Margen explodiert sind. Doch genau diese Auslandsaufträge sind wegen des Platzens der Kreditblase (und der Rohstoffpreise) akut in Gefahr.
Und deshalb ist der Rückgang der Schätzungen für das 2008er-Gewinnwachstum der nichtfinanziellen deutschen Firmen von sieben Prozentpunkten binnen zwei Monaten erst der Anfang. Denn bei allen technischen Spielereien, die den Markt derzeit zu dominieren scheinen, wird glatt übersehen, wie rapide etwa die Ifo-Auftragskomponente den vorlaufenden Indikatoren wie der Zinsdifferenz oder den monetären Bedingungen folgt. Für ein paar Punkte mag der Dax zunächst noch gut sein. Aber 2008 könnte in Tränen enden.
  • Aus der FTD vom 19.05.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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