Die Anleger in Europa haben am Donnerstag im großen Stil Aktien gekauft. Der DAX und der EuroStoxx50 kletterten auf den höchsten Stand seit rund anderthalb Jahren. Am Vormittag verzeichnete der DAX bei deutlich ansteigenden Umsätzen einen Aufschlag von 1,2 Prozent auf 7541 Punkte, der EuroStoxx50 notierte zuletzt 0,8 Prozent höher bei 2613 Punkten. Der Nebenwerteindex MDAX kletterte auf ein Rekordhoch von 11.891 Punkten.
"Die Jahresendrallye läuft schon längst", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Seit Mitte November hat der DAX gut 8,5 Prozent zugelegt, seit Anfang des Jahres sogar 28 Prozent. Würde der Leitindex mit diesem Aufschlag des Jahr 2012 beenden, wäre das das der größte Jahresgewinn seit neun Jahren.
Der Volatilitätsindex VDAX , der die Nervosität der Anleger misst, fiel um bis zu 3,8 Prozent auf 14,88 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007. Der pan-europäische VStoxx gab 3,5 Prozent auf 16,78 Zähler nach.
Im Mittelpunkt des Börsengeschehens dürfte am Donnerstag die letzte Zinsentscheidung der EZB in diesem Jahr stehen. Die meisten Experten rechnen zwar nicht damit, dass die Notenbank den Zinssatz von derzeit 0,75 Prozent ändern wird. Spannend dürfte es aber in der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung werden (14.30 Uhr). Börsianer lauern auf Hinweise darauf, ob EZB-Chef Mario Draghi eine Zinssenkung für nächstes Jahr andeuten wird.
Nach Handelsschluss in Europa hatten die US-Standardindizes am Vortag etwas Boden gutgemacht. Der Dow Jones beendete den Handel 0,6 Prozent im Plus, der S&P 500 verabschiedete sich mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent. Dagegen zog ein Kursrutsch bei den Apple -Aktien den Nasdaq-Composite nach unten, der Technologieindex verlor 0,8 Prozent. Apple-Papiere brachen um gut sechs Prozent ein, nachdem ein Marktforschungsinstitut für dieses Jahr einen Verlust von Marktanteilen des Computerkonzerns im Geschäft mit Tablet-Geräten prognostiziert hatte. Der Nikkei -Index in Tokio gewann gestützt auf einen schwächeren Yen 0,8 Prozent, der Index in Shanghai notierte kaum verändert.
Nach Korruptionsvorwürfen und hohen Verlusten in Amerika macht ThyssenKrupp -Chef Heinrich Hiesinger einen radikalen Schnitt im Vorstand. Mit Edwin Eichler, Olaf Berlien und Jürgen Claassen sollen gleich drei der sechs Vorstände den Industriekonzern zum Jahresende verlassen. Damit zieht Deutschlands größter Stahlkonzern Konsequenzen aus dem Milliardendebakel beim Bau von Stahlwerken in Brasilien und den USA sowie der Aufdeckung einer Reihe von Korruptionsfällen. Die Aktien von ThyssenKrupp rückten bei L&S um 0,12 Prozent vor.
Beiersdorf erhöht wegen gut laufender Geschäfte in seiner Pflegesparte rund um die Marke Nivea erneut seine Umsatzprognose. Sowohl im Gesamtkonzern als auch im Pflegebereich Consumer werde der Umsatz in diesem Jahr vermutlich um mehr als vier Prozent zulegen, teilte Beiersdorf am Donnerstag mit. Bislang war der Konzern von einem Wachstum von drei bis vier Prozent ausgegangen.
Die Deutsche Telekom prüft offenbar weitere Stellenstreichungen. Dabei könnten bis zu 12.000 Arbeitsplätze in Deutschland und den Servicesparten wegfallen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Ein Sprecher des Unternehmens wollte die Informationen nicht kommentieren.
Die Papiere der Deutschen Bank reagierten vorbörslich zunächst nicht auf einen Bericht der 'Financial Times' über angeblich verschleierte Verluste in der Finanzkrise reagiert. Bei L&S legten die Aktien des deutschen Branchenprimus mit dem Markt um 0,14 Prozent zu. Der Zeitung zufolge werfen drei frühere Mitarbeiter der Bank vor, dass sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Verluste von bis zu 12 Milliarden US-Dollar bei komplizierten Finanzgeschäften verschleiert hat und so einer drohenden Staatshilfe entgangen ist. Das Institut weist die Vorwürfe zurück. Ein Börsianer sagte: 'Der Bericht dürfte aber schlecht sein für die Stimmung und die Aktie belasten. Im nachbörslichen US-Handel verlor das Papier nach dem Bericht fast drei Prozent.' Ein anderer Händler sagte, dass die Geschichte unter dem Strich ein alter Hut sei.
Der Machtpoker um die künftige Aktionärsstruktur beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ist entschieden. Deutschland wird mit einem Anteil von zwölf Prozent zum dritten staatlichen Großaktionär. Auch Frankreich wird künftig zwölf Prozent halten, Spanien vier Prozent. Der Anteil der Großaktionäre sinkt nun deutlich auf knapp 30 Prozent, während der Streubesitz von knapp 50 auf mehr als 70 Prozent zulegt.
Die im TecDAX notierten Anteilsscheine von Morphosys kletterten bei L&S um 1,17 Prozent, nachdem das Biotech-Unternehmen eine verstärkte Patentposition in den USA für sein Krebs-Antikörper MOR202 gemeldet hatte.
Neuigkeiten gibt es auch vom Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse. Der Versicherer Talanx rückt in den Index SDAX der Deutschen Börse auf. Talanx ersetze dort Constantin Medien. Die Änderung werde zum 27. Dezember wirksam.
Teil 2: Der Ausblick auf die bedeutendsten Termine des Tages