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Merken   Drucken   22.01.2008, 18:17 Schriftgröße: AAA

Dax & Stoxx-Schlussbericht: Deutscher Aktienmarkt setzt seine Verlustserie fort  

Die Zinssenkung der US-Notenbank hat die Talfahrt an Europas Börsen weitgehend gestoppt. Der Dax koppelte sich allerdings von den Märkten in Paris sowie London ab und fiel erneut. Am zweiten Tag in Folge dominierte zeitweise Panik den Handel. von Hilmi Tozan und Elisabeth Atzler (Frankfurt)
Die Anleger an den Börsen agierten auch am Dienstag nervös: Europas Aktienmärkte schwankten dramatisch. Der Dax pendelte in einer Spanne von 450 Zählern. Nach einem Handelsstart mit heftigen Verlusten - der Frankfurter Markt fiel zeitweise um fünf Prozent -, drehten die Indizes unmittelbar nach der Zinssenkung teils sogar ins Plus. Nach weiteren heftigen Schwankungen und zwischenzeitlichen Gewinnen gab der Dax letztlich um 0,3 Prozent auf 6769,47 Punkte nach und sank damit auf den Stand vom Frühjahr 2006; am Montag war er um 7,2 Prozent abgerutscht.
Der Stoxx 50 stieg hingegen um 2,3 Prozent auf 3209,30 Zähler. Auch die Börsen in Paris und London zogen mit plus 2,1 und 2,9 Prozent deutlich an. Investoren würden nun in erster Linie die 2007 noch stark gestiegenen deutschen Papiere verkaufen, um überhaupt noch Gewinne einzustreichen, sagten Aktienhändler.
"Man kann es nur mit extremer Nervosität beschreiben, was da passiert", sagte Frank Albrecht, Aktienhändler bei M.M. Warburg. "Viele Anleger haben kapituliert." Die massiven Schwankungen führen Marktbeobachter darauf zurück, dass viele Investoren das Ausmaß der Probleme in Realwirtschaft und an den Finanzmärkten jetzt verstünden. "Die Risikoscheu wächst: Den Anlegern wird bewusst, dass die Kreditkrise immer mehr auf die Realwirtschaft überschwappt", sagte Keith Wade, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Schroders.
Größte Zinssenkung der jüngeren Geschichte
Mit der größten Zinssenkung in der jüngeren Geschichte sendete die US-Notenbank ein Signal an die weltweit verunsicherten Finanzmärkte. Die Fed senkte den wichtigsten Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. In einer kurzen Erklärung begründete die Notenbank ihren Schritt mit dem eingetrübten Konjunkturausblick und der gestiegenen Gefahr eines Wirtschaftsabschwungs. In den USA waren die Börsen am Montag wegen eines Feiertages geschlossen geblieben. Am Dienstag legten sie zeitweise zu, lagen zuletzt aber wieder im Minus.
Die Zinssenkung wurde an den Märkten unterschiedlich aufgenommen. Kevin Flanagan, Analyst bei Morgan Stanley  bezweifelte die Wirkung des Zinsschritts, er diente nur zur Beschwichtigung der Ängste an den Märkten. Andere Analysten sagten, dass sich die Fed von den Märkten habe erpressen lassen. Die Zinssenkung kam eine Woche vor der planmäßigen Sitzung US-Notenbank. Nach der Zinssenkung in den USA unterstrich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese müsse jetzt "in ihrer Unabhängigkeit und unter Berücksichtigung ihrer Ziele" entscheiden, wie sie auf die Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed reagiere. Die ökonomischen Fundamentaldaten in der Euro-Zone und in Deutschland seien weiterhin gut.

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