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  26.11.2009, 17:57    

Dax & Stoxx-Schlussbericht: Dubai raubt Dax mehr als drei Prozent

Das kleine und einst stinkreiche Emirat jagt den Anlegern europaweit Angst ein. Die Amerikaner feiern Erntedank und können so nicht zu Hilfe eilen. Der Dax verliert die Gewinne von zwei Handelswochen. von Thomas Spinnler, Frankfurt
Der Dax  sank um 3,3 % auf 5614,17 Zähler. Besonders in den letzten zwei Handelsstunden ging es noch einmal rapide abwärts, zeitweise stürzte der deutsche Leitindex unter die Marke von 5600 Punkten. Der Handel in den USA ruhte wegen des Feiertags Thanksgiving.
Der europäische Auswahlindex Stoxx 50  gab um 3,2 % nach, der CAC 40  verlor 3,4 %. Der FTSE 100  fiel ebenfalls um 3,2 %.
In ganz Europa schufen die Anleger Platz in ihren Depots und strichen die Gewinne der vergangenen zwei Wochen ein - die Verluste gingen quer durch alle Branchen. Besonders betroffen waren aber Unternehmen, die starke Geschäftsbeziehungen zu den Golfstaaten haben. Der Grund sind Spekulationen um Finanzschwierigkeiten und mögliche Zahlungsprobleme im Emirat Dubai. Ein Aktienhändler der Postbank begründete die deutlichen Abschläge damit, dass die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt worden seien. Insgesamt sei mit steigenden Kursen gerechnet worden.
"Auf Sand gebaut"
"Wenn ein Staat wie Dubai so in Schwierigkeiten steckt, ist das ein ernstes Problem", sagte Niklas Breckling, Aktienhändler bei der Schnigge Wertpapierhandelsbank. Offenbar hätte man dort auf Sand gebaut: "Es wurde bereits von einer Jahresendrally gepredigt. Jetzt zeigt sich, dass es an den Aktienmärkten zu schnell aufwärts ging", stellte Breckling fest.
Christoph Schmidt, Aktienstratege bei der N.M.F. AG, rechnet bis zum Jahresende zwar nicht mit größeren Verwerfungen, die Märkte müssten jetzt aber mehr Risiko einpreisen: "So mancher hat sich von den steigenden Kursen einlullen lassen. Dubai hat die Augen geöffnet für weitere schwelende Brände in Osteuropa und anderen Schwellenländern."
Anleger bestrafen Daimler
Daimler  schloss 4,6 % leichter. Abu Dhabi und Kuwait halten große Kontingente an Papieren des Autobauers. Anleger hätten jetzt Angst, dass arabische Investoren nun Aktienpositionen auflösen könnten, um sich Liquidität zu beschaffen, sagte Breckling. Volkswagen -Titel sanken um 6,2 %. Hier störte die Marktteilnehmer die Beteiligung des Emirats Katar.
Kursinformationen und Charts
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Auch Finanzwerte gehörten wegen der Vernetzung mit arabischen Geldgebern zu den Verlierern: Commerzbank , Credit Suisse , BNP Paribas  Barclays , Deutsche Bank  und ING  büßten sämtlich massiv ein, Schlusslicht Barclays verlor 9 %. "Banken stecken in so vielen Kreditprodukten, die Anleger fürchten jetzt, dass es zu weiteren Ausfällen kommen könnte", sagte Schmidt.
Finanzkreise sprangen der Deutschen Bank bei: Sie habe kein Engagement bei dem in Zahlungsnöte geratenen Unternehmen Dubai World und halte keine entsprechenden Bonds und habe auch keine Kredite vergeben, behautete eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar ab, die Aktien waren mit Minus 6,4 % Schlusslicht im Dax.
Investoren misstrauen Beschwichtigungsversuchen
Die Münchener Rück  half sich selbst: "Wir haben keine Kapitalanlagen in Dubai", sagte eine Sprecherin des weltgrößten Rückversicherers. Die Aktie hielt sich zunächst deutlich besser als der Gesamtmarkt, verlor zuletzt jedoch weit über 2 %.
Auch der zweitgrößte Stoxx-Verlierer ING ging in die Offensive, allerdings erfolglos. Man besitze nur unbedeutende Kontingente der kritischen Dubai-World-Anleihen, teilte ein Sprecher mit. Das Papier gab gleichwohl 6,5 % nach.
In die turbulente Situation platzte eine Aussage von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: Er warnte vor der Entstehung neuer Blasen an den Finanzmärkten und fordert entsprechende Gegenmaßnahmen der Zentralbanken. Die Zeit sei gekommen, um den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik anzugehen, sagte Heise.
21:20:40 Kursinformationen und Charts
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