Auch die US-Börsen gaben deutlich nach und setzten damit ebenfalls ihre Talfahrt fort. Die Anleger trennten sich vor allem von Technologieaktien. Die Branche war nach enttäuschenden Zahlen von US-Unternehmen, darunter der weltgrößte Computerkonzern IBM, unter Druck geraten.
IBM verfehlte die Prognose für das erste Quartal und lässt damit nichts Gutes für die weitere Bilanzsaison in den USA ahnen. Selbst überzeugende Quartalsberichte des weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup und des global dominierenden Mischkonzern General Electric sorgten am Freitag nicht für Kauflaune.
Der Dax fiel um zwei Prozent und schloss bei 4312,25 Zählern. So tief hatte der deutsche Leitindex zuletzt vor gut drei Wochen notiert. Die wichtige Marke von 4400 Punkten, die Aktienhändler als Kaufsignal betrachten, ist damit in weite Ferne gerückt.
Die anderen Börsen in Europa gaben ebenfalls nach, allerdings nicht so stark wie der Dax. Der europäische Auswahlindex Stoxx 50 sank um 1,4 Prozent. Der CAC-40 in Paris rutschte um 1,9 Prozent ab, und der FTSE-100 in London ging 1,1 Prozent schwächer aus dem Handel. Im Stoxx und FTSE begrenzten deutliche Gewinne von Pharmatiteln die Verluste.
RWE und Infineon größte Dax-Verlierer
Im Dax gaben mehrere Titel wie RWE als größter Verlierer (minus 3,8 Prozent) deutlich nach. Auch Infineon zählten mit Minus 3,5 Prozent zu den schwächsten Dax-Titeln und reihten sich damit bei den europaweit äußerst schwachen Technologieaktien ein.
Im Stoxx 50 waren Ericsson Schlusslicht: Der schwedisch-japanische Handy-Hersteller Sony Ericsson erzielte im ersten Quartal einen weit geringeren Vorsteuergewinn als von Experten erwartet. Der Konzern machte dafür die gewachsene Konkurrenz im Mobilfunkmarkt verantwortlich. Die Titel fielen um 3,4 Prozent. Nokia gaben mit 3,1 Prozent deutlich nach. Siemens büßten 2,7 Prozent ein.
Pharmattitel profitieren von Nachrichten aus den USA
Während die Techaktien europaweit enttäuschten, stemmten sich die Pharmawerte gegen den Trend. Der Stoxx-Healthcare-Index war der einzige Branchenindex im Plus. Aktienhändler erklärten die Kursgewinne mit einer für die Pharmabranche positiv ausgefallenen Gerichtsentscheidung.
Der US-Konzern Eli Lilly hatte in den USA einen wichtigen Prozess um den Patentschutz bei seinem Blockbuster Zyprexa gegen Generikahersteller gewonnen. Eli-Aktien an den US-Börsen kletterten deutlich. Zudem profitiere die Branche davon, dass der US-Konzern Merck seine Prognosen angehoben hat.
Im Dax waren Fresenius Medical Care und Altana mit plus 2,4 und 0,3 die einzigen Gewinner. Im Stoxx legten Roche (plus 5,7 Prozent), GlaxoSmithKline (plus ein Prozent) und AstraZeneca (plus 1,9 Prozent) deutlich zu. Bei Roche spielten außerdem gute Nachrichten über das Krebsmedikament Avastin eine Rolle.
DaimlerChrysler geben nach
Für Gesprächsstoff sorgten am Freitag die Aktien von DaimlerChrysler. Nach Informationen der Financial Times haben Finanzinvestoren in den vergangenen Monaten mehrfach Interesse an den Anteilen der DaimlerChrysler-Großaktionäre angemeldet. Bisher waren die Angebote allerdings zu niedrig. Die Deutsche Bank, mit 10,4 Prozent größter Aktionär, sei "einige Male in den vergangenen zwölf Monaten" angesprochen worden, sagte ein hochrangiger Investmentbanker der FT.
In dem schlechten Marktumfeld half diese Nachricht dem Kurs allerdings nicht auf die Sprünge: Die Titel gaben im Handelsverlauf weiter nach und schlossen 2,7 Prozent im Minus. Allerdings sanken Autowerte europaweit deutlich. Volkswagen zum Beispiel fielen ebenfalls um 2,7 Prozent.
Nikkei auf tiefstem Stand seit Februar
In Japan führten die schwachen Vorgaben der Wall Street und die Sorge um die politischen Beziehungen zum größten Handelspartner China erneut zu kräftigen Kursverlusten. Der Nikkei-Index verlor 1,7 Prozent auf 11.370,69 Punkte und schloss damit auf dem niedrigsten Stand seit 4. Februar dieses Jahres.
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