"Japans Zentralbank hat sich damals vor allem darauf verlassen, die Wirtschaft mit Liquidität zu fluten", sagte Kristian Tödtmann, Kapitalmarktexperte der Dekabank. Stattdessen greife die US-Notenbank Fed jetzt auch direkt auf den Märkten für verbriefte Kredite ein, um die Bedingungen am Immobilienmarkt sowie bei Konsumenten- und Unternehmenskrediten zu verbessern.
Vor fast 20 Jahren war Japan in eine schwere Finanzkrise gerutscht. Im Januar 1990 platzte an Japans Börsen eine riesige Aktienblase, dem folgte der Zusammenbruch des Immobilienmarkts. Ökonomen sehen in der schleppenden Reaktion der Japaner einen wichtigen Grund dafür, dass das Land Mitte der 90er-Jahre in eine Deflation abglitt. Noch heute hat das Land die Folgen nicht ganz überwunden. Auf der am Donnerstag beginnenden Zinssitzung der Bank of Japan (BoJ) könnten die Notenbanker ihren Zins nach Erwartung von Beobachtern von 0,3 auf 0,1 Prozent senken.
Der größte Unterschied zwischen Japan damals und den USA heute liegt in der Reaktionszeit der Währungshüter. "Die Bank von Japan hat erst im Frühjahr 2001 das Bankensystem mit Liquidität geflutet, Jahre nachdem die Kreditvergabe der Geschäftsbanken kollabiert war", schreibt Helaba-Ökonom Patrick Franke in einer aktuellen Studie. Im Gegensatz dazu habe die Fed bereits vom Spätsommer 2008 an die Reserven des Bankensystems erhöht, als das Kreditvolumen noch expandierte.
Ähnliches lässt sich bei der Zinspolitik feststellen. Statt sofort die Zinsen zu senken, um Japans Wirtschaft zu stützen, hob die BoJ noch neun Monate nach Zusammenbruch des Aktienmarkts im September 1990 ihre Zinsen an. Erst 17 Monate nach Ausbruch der Finanzkrise folgte die erste Zinssenkung. "Die Fed hat daraus gelernt, sofort nach Ausbruch der Finanzkrise begann sie, ihren Leitzins zu senken", so Tödtmann. Im Nachhinein betrachtet habe die BoJ ihren Leitzins auch zu spät auf nahe null gesenkt. Dies geschah erst Ende 1995, also fünf Jahre nach Ausbruch der Krise.
Statt wie die Amerikaner eine aggressive Geldpolitik zu verfolgen, setzten die Japaner zunächst allein auf staatliche Ausgabenprogramme, um verschuldete Unternehmen zu retten. Auch habe die Politik lange Zeit verhindert, dass die Banken ihre Bilanzen um faule Kredite bereinigen, so der Vorwurf vieler Experten.
Aus den japanischen Erfahrungen mit der Deflation haben die US-Währungshüter ihre Lehren bereits 2002 gezogen. Damals veröffentlichten vier Fed-Forscher in einer legendären Studie, wie ein Abgleiten in eine Abwärtsspirale bei den Verbraucherpreisen verhindert werden kann. Japans Politiker hätten damals die Deflationsgefahren nicht erkannt, schreiben die Experten. "Wenn die Inflation einmal negativ geworden ist und die kurzfristigen Zinsen nahe null liegen, ist es deutlich schwerer für die Geldpolitik, die Wirtschaft zu reaktivieren", heißt es weiter. Die Fed, so Tödtmann, will um jeden Preis eine Deflation verhindern.