Getrunken wird immer. Dieses etwas platte Argument muss häufig als Erklärung für solide Zahlen von Spirituosenherstellern herhalten. Und doch, so scheint es, ist an diesem Ausspruch etwas dran: Seit Jahren steigern Platzhirsche wie Diageo , Pernod Ricard oder Rémy Cointreau Umsätze und Gewinn - Anleger freuen sich über hochprozentige Kursgewinne und stabile Dividenden.
So legte die Aktie von Rémy Cointreau in vier der vergangenen fünf Jahre zu - meist zweistellig. Allein in diesem Jahr kletterte der Wert bereits um knapp 50 Prozent. Auch Branchenprimus Diageo und Pernod Ricard weisen eine ähnlich beeindruckende Kursentwicklung auf.
Experten machen dafür in erster Linie zwei Faktoren verantwortlich. "Die Spirituosenfirmen sind weltweit präsent, jedoch verfügen sie über ein spezielles Schwergewicht in den Schwellenländern, wo wir die erwartete Wachstumsrate als sehr attraktiv einstufen", sagen die Fondsmanager Patrick Kolb und Florence Mosse-Colin von Credit Suisse. Als Beispiel nennen die Investoren Pernod Ricard: "Im letzten Quartal betrug die Wachstumsrate in den Schwellenländern 14 Prozent, was im Vergleich zu den USA mit einer Wachstumsrate von neun Prozent als sehr attraktiv zu bewerten ist." Auch beim weltgrößten Alkoholikakonzern Diageo spielen neue Märkte eine immer größere Rolle: "Diageo erzielt 40 Prozent seines Umsatzes in Schwellenländern. In Westeuropa sind die Umsätze dagegen rückläufig. Das kann aber bereits größtenteils schon vom Wachstum in Russland oder der Türkei kompensiert werden", erklärt Analyst Lars Lusebrink von Independent Research.
Neben der starken Präsenz in Wachstumsmärkten gelingt es Spirituosenherstellern zudem immer wieder, ihre Marge zu verbessern. Was die Fondsmanager der Credit Suisse mit dem Begriff "Pricing Power" auf den Punkt bringen. "Anbieter von Alkoholika schaffen es seit Jahren, ihre Margen zu verbessern. Am besten gelingt das Diageo. Daher ist der Marktführer auch höher bewertet als die Konkurrenz" , sagt Lars Lusebrink. Diageo hat nach Einschätzung des Analysten derzeit neun der 20 besten Marken der Welt im Portfolio. "Dazu hat man mit Guinness auch eine starke Biermarke im Angebot. Der Konzern ist also breit aufgestellt."
Ein wichtiger Baustein, um hohe Margen abschöpfen zu können, ist nach Einschätzung von Analysten der Fokus auf Premiumprodukte. Starke Marken lassen sich auch zu hohen Preisen verkaufen, denkt man in der Branche - und die Zahlen geben den Unternehmen offenbar recht. Der Nettogewinn von Rémy Cointreau lag Ende des vergangenen Geschäftsjahrs mit 121,4 Mio. Euro deutlich über dem Vorjahresergebnis von 73,3 Mio. Euro. "Rémy Cointreau ist hauptsächlich im Premiumsegment tätig und generiert dadurch höhere Margen", bestätigen die Fondsmanager von Credit Suisse.
Für Anleger klingen die Rahmenbedingungen auf dem Markt für Alkoholika paradiesisch, denn wer ist nicht auf der Suche nach Unternehmen mit soliden Gewinnen und stabilen Wachstumsaussichten. Dennoch gibt es auch Schattenseiten: "Der Markt für alkoholische Getränke ist stark umkämpft", erklärt Lusebrink. Auch könnte der Fokus der Branche auf Schwellenländer zum Bumerang werden: "Wenn Sie von einer ,harten Landung‘ der Wirtschaft in Schwellenländern ausgehen, kann der gesamte Luxusgütersektor negativ getroffen werden", warnen Kolb und Mosse-Colin - verweisen aber zugleich darauf, dass sie dieses Szenario für nicht sehr wahrscheinlich halten. Auch Independent-Research-Analyst Lusebrink hält nichts von Panikmache: "Das Geschäft mit Alkoholika ist wenig konjunktursensibel. In Krisen stehen Hersteller von Spirituosen sogar oft besser da als große Nahrungsmittelkonzerne."