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  FTD-Serie: Die Ursprünge der Finanzkrise

Sie begann bei einem kalifornischen Hypothekenanbieter und hat inzwischen Märkte in aller Welt erfasst: Die Subprime-Krise um schlecht besicherte US-Immobilienkredite betrifft längst auch andere Branchen. Unter den Opfern sind zunehmend deutsche Unternehmen.

Merken   Drucken   09.08.2007, 07:00 Schriftgröße: AAA

Die Vokabeln zur Subprime-Krise

Die Krise am US-Immobilienmarkt für Subprime-Hypotheken macht derzeit Schlagzeilen, doch zahlreiche Fachbegriffe erschweren das Verständnis. Von ARM bis Teaser Rate erklärt FTD-Online die wichtigsten Vokabeln zur Immobilienkrise. von Tobias Bayer (Frankfurt)
Ob Bear Stearns oder Deutsche Industriebank - weltweit spüren Finanzinstitute die Auswirkungen der Hypothekenkrise. Auch die Börse leidet darunter. Die Angst vor weiteren Schieflagen wächst, was auf die Kurse drückt.
Die Materie ist schwierig. Wörter wie ARM, CDO oder Itraxx erschließen sich nicht sofort. Mithilfe eines Glossars der Commerzbank hier eine Erklärung der schlimmsten Wortungetüme:
ARM - Adjustable Rate Mortgage
Eine Hypothek, deren Zins während der Laufzeit an einen Indexzins (beispielsweise LIBOR) angepasst wird. Die Anpassung erfolgt alle sechs oder zwölf Monate. Meist regeln Vertragsbestimmungen, wie stark der Zins maximal angepasst werden kann oder wie oft der Zins insgesamt angepasst werden darf. Abhängig von der Bonität des Schuldners liegt der tatsächlich zu zahlende Zins über dem Indexzins. Dieser Unterschied wird in der Regel mehrere Prozentpunkte ausmachen.
CDO - Collateralized Debt Obligations
CDOs sind Kreditderivate, die auf einem Investmentpool basieren. Dieser setzt sich aus Anleihen zusammen. Die Investmentbanken zerlegen den Pool in Tranchen mit unterschiedlichen Risiken - und reichen sie an Investoren weiter. Das Wachstum solcher Derivate ist enorm: Zwischen 2003 und 2006 hat sich das Handelsvolumen auf 503 Mrd. $ mehr als verfünffacht.
CLO - Collateralized Loan Obligations
CLOs sind Kreditderivate, die auf einem Darlehenspool basieren. Die Investmentbanken zerlegen den Pool in Tranchen.
Fannie Mae
Ursprünglich Federal National Mortgage Association, eine quasi-öffentliche Institution, deren Auftrag die Förderung des Erwerbs von Wohneigentum in den USA ist. Formal ist Fannie Mae eine Aktiengesellschaft, aufgrund ihrer besonderen Geschichte und Rolle im Immobilienmarkt wird allerdings vielfach davon ausgegangen, dass das Unternehmen eine Garantie des Staates genießt. Fannie Mae und Freddie Mac fördern den Erwerb von Wohneigentum, indem sie den Hypothekenbanken Kredite abkaufen und so Spielraum für neue Kreditschöpfung schaffen. Auf der Passivseite emittiert Fannie neben Unternehmensanleihen Mortgage-backed Securities (MBS), d.h. Anleihen, die durch Hypotheken und letztendlich die entsprechenden Häuser besichert sind.
Freddie Mac
Ursprünglich Federal Home Loan Mortgage Corporation, eine Institution wie Fannie Mae.
FRM - Fixed-Rate Mortgage
Eine Hypothek mit über die Laufzeit - in der Regel 30 Jahre - reichenden festen Zinsen. In den USA hat der Schuldner ein einseitiges, vorzeitiges Kündigungsrecht, das verglichen mit Deutschland mit sehr niedrigen Kosten verbunden ist. Das Standardprodukt am US-Hypothekenmarkt ist eine 30-jährige FRM. Wegen des Kündigungsrisikos sind FRMs aber im Schnitt teurer als ARMs, da die Hypothekenbanken für das Risiko entschädigt werden müssen.
Hybrid Mortgage
Eine Zwitterkonstruktion zwischen variabel und festverzinslicher Hypothek. Eine gängige Version ist beispielsweise "2/28": Für die ersten zwei Jahre ist der Zins fixiert, für die nächsten 28 Jahre wird er alle sechs oder zwölf Monate an einen Indexzins angepasst.
Itraxx Crossover
Dieser Kreditderivateindex bildet die Kosten ab, zu denen sich Anleger gegen das Ausfallrisiko von 50 europäischen Firmen schlechter Bonität absichern können. Er gilt als Maß für den Risikoappetit der Investoren. Der Itraxx verdoppelte sich seit Juni auf etwa 400 Basispunkte. Zeitweise lag er sogar bei 500 Basispunkten. Das heißt: Für die Absicherung eines Volumens von 10 Mio. Euro mussten Anleger rund 500.000 Euro bezahlen.
MBS - Mortgage-backed Securities
Ein Oberbegriff für alle Wertpapiere, die mit Hypotheken bzw. der entsprechenden Immobilie als Sicherheit unterlegt sind. RMBS sind MBS, die sich auf Wohneigentum stützen.
MEW - Mortgage Equity Withdrawal
Eine zusätzliche Beleihung von bestehendem Wohneigentum. Es wird vielfach davon ausgegangen, dass diese Entwicklung eine wichtige Stütze des privaten Konsums in den USA war, und es den Haushalten erlaubt hat, ihre Sparquote immer weiter herunter zu fahren. Aktuell ist dieser Effekt weitgehend ausgelaufen. Von Spitzenwerten von 550 Mrd. $ (Jahresrate) im dritten Quartal. 2005 ist MEW bis zum ersten Quartal 2007 auf 43 Mrd. $ gefallen.
NAHB-Index
Stimmungsbarometer der National Association of Homebuilders, der nationalen Organisation der Wohnungsbauunternehmen. In einer monatlichen Umfrage werden die aktuelle Lage und die Erwartungen der Branche hinsichtlich der Entwicklung in den kommenden sechs Monaten abgefragt.
NAR - National Association of Realtors
Dachverband der amerikanischen Immobilienmaklerbranche. Veröffentlicht regelmäßig Daten zum Immobilienmarkt.
Prime Mortgage
Hypothek, deren Schuldner über erstklassige Bonität verfügt. Das heißt: Personen mit ausreichenden Vermögens- und Einkommensverhältnissen. Die Schuldner müssen über einen hohen Kredit-Score verfügen und eine entsprechende Anzahlung leisten können. Der Prime-Markt macht rund 75 Prozent des gesamten Hypothekenbestands aus und besteht hauptsächlich aus festverzinslichen Hypotheken.
Subprime Mortgage
Hypothek, deren Schuldner nicht über erstklassige Bonität verfügt. Ursache hierfür können zum Beispiel sein: vergangene Fälle von Zahlungsverzug, Insolvenz oder Zwangsversteigerung, ein niedriger Kredit-Score bei der Bewertung durch ein Kreditbüro oder ein Verhältnis von Tilgungszahlungen zu monatlichem Einkommen von mehr als 1:2. Im Subprime-Markt sind variabel verzinste Hypotheken und andere "exotische" Optionen deutlich weiter verbreitet als im Prime-Markt. Subprime-Hypotheken machen derzeit rund 14 Prozent des gesamten Hypothekenbestands aus.
Teaser Rate
Im Rahmen einer variabel verzinsten oder Hybrid-Hypothek eingeräumter niedriger Anfangszins, der als Lockangebot fungiert. Nach dem Auslaufen kann der zu zahlende Zins dann erheblich steigen. Vor allem im Subprime-Segment wurde diese Konstruktion viel verwendet und - besonders problematisch - die Bonitätsprüfung oft nur auf Basis der Belastung durch die niedrige Teaser rate vorgenommen.
  • FTD.de, 09.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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