Während der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine und wenig später bei den Olympischen Sommerspielen in London blicken nicht nur Sportfans, sondern auch Börsianer gebannt auf die Bildschirme. Die Anleger dürften dabei nicht nur am sportlichen Wettkampf, sondern von Berufs wegen auch an den Aktienmärkten der jeweiligen Gastgeberländer interessiert sein.
Denn nach olympischen Sommerspielen und Fußballmeisterschaften kommt es häufig zu Rallys an den Börsen in den Staaten, die sie ausrichten. "In den vergangenen 20 Jahren entwickelten sich die Aktienindizes in den Austragungsländern der Sommerolympiaden deutlich besser als der globale Aktienindex MSCI ", hat Matt Bolduc, Analyst der Saxo Bank, beobachtet. So schnitt in den USA der Dow Jones nach der Olympiade in Atlanta 1996 um 18 Prozent besser ab als die Börsen weltweit. Der australische ASX übertrumpfte nach den Spielen in Sydney im Jahr 2000 den MSCI um 24 Prozent und der griechische Athex nach den Spielen von 2004 in Athen um 23 Prozent.
Auch der DAX nahm nach der Fußballweltmeisterschaft 2006 richtig Fahrt auf und stieg bis 2007 um 45 Prozent, nachdem er in den Monaten vor dem Ereignis gefallen war. Hier waren wohl die allgemeinen Börsentrends ausschlaggebend. Auffällig war aber der südafrikanische JSE 40, der nach der WM 2010 um 28 Prozent in die Höhe schnellte. Hingegen fallen nach Winterolympiaden die Börsenkurse meist im Austragungsland. "Die Winterspiele haben weniger Zulauf und daher weniger Medieninteresse", sagt Bolduc. Sommerolympiaden und Fußballweltmeisterschaften hingegen stießen weltweit auf Interesse - und erwärmten offenbar Investoren für die Börsen im Austragungsland.
Allerdings sind die Rallys nicht von Dauer. Nach einem Jahr folgen die Aktienkurse im Gastgeberland wieder allgemeinen Trends und können daher auch schnell wieder einbrechen. So geschehen beim DAX und JSE. Der deutsche Index brach 2008 um 50 Prozent ein, der Südafrika-Index fiel 2011 um 25 Prozent.
Hinzu kommt, dass sportliche Großveranstaltungen die Wirtschaft in den Austragungsländern nicht beflügeln. Sie können vielmehr sogar Steuerausfälle nach sich ziehen. Das ist das Ergebnis einer Reihe von Studien über die ökonomischen Folgen von Megaevents. Sie widersprechen damit den Thesen von Regierungen und Sportverbänden wie der Fifa und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), die Megaevents als Konjunktur- und Jobmotor anpreisen. Die Errichtung neuer Stadien beflügele zwar kurzfristig die Bauwirtschaft im Austragungsland, sagt Saxo-Bank-Analyst Bolduc. "Für die Staaten selbst sind die neuen Sportstätten jedoch häufig ausgesprochen schlechte Investitionen, da die Anlagen nach dem Ende der Wettkämpfe nur ungenügend genutzt werden und die öffentliche Hand Millionen ausgeben muss, um sie instand zu halten."
Nicht einmal Tourismus und Einzelhandel profitierten von einem Megaevent, sagt Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum und Autor des Fachbuchs "Finanzierung von Sportanlagen". "Sportereignisse locken zwar Fans an, halten aber andere, deutlich zahlungskräftigere Urlauber fern, weil diese sich nicht dem Trubel aussetzen wollen."
Eine Erfahrung, die auch der deutsche Einzelhandel während der Fußball-WM 2006 machen musste. "Im zweiten Quartal, in dem die meisten Spiele stattfanden, war der Konsum der privaten Haushalte rückläufig", haben die Ökonomen Karl Brenke und Gert Wagner vom Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelt. Nach einer Studie der US-Ökonomen Robert Baumann und Victor Matheson können Megaevents sogar zu Steuerausfällen führen, weil Einwohner während der Veranstaltungen Shoppingcenter meiden und die angereisten Zuschauer den fehlenden Konsum nicht ausgleichen.
Anleger sollten daher nicht zu viel auf einen Investmenthype geben - Mutige können aber dennoch versuchen, kurzfristig auf eine Sportrally an den Börsen von London oder Warschau zu wetten. Das geht am günstigsten mit Indexfonds auf den britischen FTSE 100 und den polnischen WIG 20. Weil diese Fonds nur passiv die Indizes nachbilden, fallen kaum Gebühren an.