Der Kampf um die öffentliche Meinung, um die Deutung von Gut und Böse, beginnt schon auf der Treppe vor dem Landgericht Frankfurt. Lächelnd posieren die Anwälte im Sonnenschein vor den Fernsehkameras, zwischen ihnen ihr Mandant.
Mit entschlossenem Blick hält er einen Aktenordner vor seine Brust, dessen Rückseite einen Hinweis auf die Brisanz des Verfahrens gibt: "Frankfurter Sparkasse, Lehman-Zertifikate", steht dort geschrieben.
Vor der 19. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt begann am Freitag der erste Verhandlungstag in der Streitsache Horst Weil gegen die Frankfurter Sparkasse. Der 76-jährige Rentner aus Bad Soden am Taunus fordert von der Bank Schadenersatz in Höhe von 12.000 Euro, die er mit einem Lehman-Zertifikat verloren hat. Vor Prozessbeginn macht er noch einmal klar, warum er gekommen ist: "Ich fühle mich von der Bank betrogen".
Lehman-Zertifikate, das ist ein Reizwort in diesen Tagen - ein Symbol dafür, wie die globale Finanzkrise plötzlich die deutschen Wohnzimmern erreicht. Tausende Privatanleger hatten die Papiere erworben, die nun wertlos sind. Weder die Einlagensicherung der Banken noch die Staatsgarantie helfen den Betroffenen. Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen. Geht der Emittent pleite, ist die Rückzahlung gefährdet. Anlegerschützer fürchten Schäden in achtstelliger Höhe - allein in Deutschland.
In Internetforen schließen sich zahlreiche Betroffene zusammen, tauschen Erfahrungen aus und wägen ihre Prozesschancen ab. Weil bei der Pleitebank Lehman nichts mehr zu holen ist, attackieren die sie nun die Banken, die ihnen die Produkte verkauft haben. Auch deshalb ist die Verhandlung am Freitag eine Art Präzedenzfall.