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Merken   Drucken   07.04.2011, 11:28 Schriftgröße: AAA

EU-Schuldenkrise: Portugal-Hilfe drückt Euro

Die Bitte des Landes um EU-Finanzhilfe setzt dem Euro vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank zu. An den Aktien- und Anleihenmärkten prallt die Nachricht weitestgehend ab. Nun richten sich die Augen der Anleger auf das nächste möglicherweise kriselnde Land: Spanien. von Frank Bremser, Hamburg
Der Euro hat in Folge der Ankündigung der portugiesischen Regierung, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen deutlich nachgegeben. Vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank verzeichnete die Gemeinschaftswährung den größten Kurssturz seit 14 Monaten. Der Euro  fiel bis auf 1,4291, nachdem er am Vorabend noch bis auf 1,4349 Dollar geklettert war. Es wird erwartet, dass die EZB den Leitzins in der Eurozone um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent anheben wird.
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Chris Walker von der UBS sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Portugal hat für Verkaufsdruck auf den Euro gesorgt. Den Marktteilnehmer wird bewusst, dass die Finanzprobleme in den Euroland-Peripheriestaaten strukturelle sind." Er rechnet jedoch nur mit einer kurzen Euroschwäche, da die EZB sich weiter in Richtung Zinserhöhungen positioniere und damit die Gemeinschaftswährung eher stützen würde.
Die Aktienmärkte regierten hingegen kaum auf die portugiesische Ankündigung. Im portugiesischen Leitindex PSI 20, der um knapp 1 Prozent stieg, gehörten jedoch die Bankaktien zu den großen Gewinnern. Banco Espirito Santo stiegen um knapp 7 Prozent, Millennium bcp gewannen knapp 5 Prozent.
Portugiesische Anleihen notierten in Folge der Ankündigung von Premierminister Jose Socrates nahezu unverändert bei 8,82 Prozent, nachdem sie am Mittwoch noch um 24 Basispunkte gefallen waren. Ebenfalls kaum Bewegungen gab es bei griechischen, irischen und spanischen Anleihen. Die Kosten für die Ausfallabsicherung portugiesischer Anleihen sanken deutlich. Die Fünf-Jahre-CDS-Spreads fielen um 24 Basispunkte auf 530 Basispunkte, so der Datenanbieter Markit. Irische CDS-Spreads sanken um 19 Basispunkte auf 515 Basispunkte
Der Schritt Portugals war an den Märkten weitestgehend erwartet worden. So hieß es in einer Analyse der Commerzbank zu Portugal: "Diese Entscheidung kommt nicht überraschend. Der Druck der Märkte ist in den letzten Wochen zu groß geworden. Für die nächsten drei Jahre benötigt Portugal wahrscheinlich 70 Mrd. Euro. Ab jetzt werden sich alle Blicke auf Spanien richten. Wir sehen eine gute Chance, dass das Land ohne fremde Hilfe auskommt."
Erfolgreiche Anleihe Dies bestätigte auch die Anleihauktion vom Morgen. Die Iberer brachten eine dreijährige Anleihe mit einem Volumen von 4,13 Mrd. Euro. Der durchschnittliche Zinssatz lag bei 3,57 Prtozent und damit 2 Basispunkte unter derm Ergebnis der letzen Auktion dieser Art Anfang März. Der Bond war fast zweifach überzeichnet. "Das sollte die Sorgen vor einer Ansteckungsgefahr zerstreuen", sagte Peter Chatwell von Credit Agricole in London der Nachrichtenagentur Reuters. "Spanien hat mit 4,1 Mrd. Euro ein solides Volumen erreicht." Das gute Ergebnis sei nicht zuletzt von der Entscheidung Portugals gestützt worden, seine europäischen Partner um Hilfen zu bitten. Damit stabilisiere sich die Stimmung gegenüber Spanien und Italien, sagte Michael Leister von der WestLB.
Die spanische Regierung gab indes bekannt, dass man keine Hilfskredite der Euro-Partner bräuchte. Die Regierung in Madrid werde nicht dem Beispiel ihres Nachbarlandes folgen, weil die spanische Volkswirtschaft viel wettbewerbsfähiger sei, sagte Wirtschaftsministerin Elena Salgado im spanischen Rundfunk. Auch die Märkte hätten dies registriert. Ein Überspringen der Krise von Portugal auf Spanien sei deshalb "absolut ausgeschlossen".
Das ebenfalls unter den Folgen der Schuldenkrise leidende Spanien hatte am Mittwoch seine Wachstumsprognose für die kommenden beiden Jahre gesenkt. Wegen steigender Zinsen und Ölpreise wird die spanische Wirtschaft 2012 wohl nur um 2,3 Prozent wachsen. Zuvor hatte die Regierung noch ein Plus von 2,5 Prozent angepeilt. 2013 soll das Wachstum 2,4 und nicht 2,7 Prozent betragen.
  • FTD.de, 07.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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