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Merken   Drucken   31.05.2012, 20:27 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: Die Angst vor dem Absturz

Der Rauswurf aus der Euro-Zone hängt wie ein Damokles-Schwert über den Griechen. Für die Unternehmer des Landes ist die Lage prekär - ein Ehepaar nimmt dennoch all seinen Mut zusammen und stemmt sich gegen den Untergang.
© Bild: 2012 dpa
Der Rauswurf aus der Euro-Zone hängt wie ein Damokles-Schwert über den Griechen. Für die Unternehmer des Landes ist die Lage prekär - ein Ehepaar nimmt dennoch all seinen Mut zusammen und stemmt sich gegen den Untergang.
von Markus Bernath, Athen

Das mulmige Gefühl setzte ein, als Yiannis Papoutsas eines Sonntagabends die Geldautomaten im schicken Athener Vorort Kifissia abfuhr. Die Maschinen waren leer, keine spuckte Euro-Scheine aus. Es fühlte sich fast so an, als sei Griechenland bereits aus der Währungsunion geflogen. "Eine Katastrophe", sagt Papoutsas über dieses Szenario.

Ein Rauswurf aus der Euro-Zone und ein chaotischer Staatsbankrott hängen weiter als Drohung über den Griechen. Der unklare Ausgang der Parlamentswahl Anfang Mai hat die Unsicherheit noch verstärkt. Geht die radikale Linke Syriza um ihren Chef Alexis Tsipras als Sieger aus der Neuwahl im Juni hervor, würde ein Ausscheiden des Landes aus dem Euro deutlich wahrscheinlicher.

Spareinlagen der privaten Haushalte in Griechenland   Spareinlagen der privaten Haushalte in Griechenland

Schwierige Aussichten für Griechenlands Unternehmer. Also auch für den Chemiker Papoutsas. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth Daravelis entwickelt und vertreibt er Kosmetika. "Wir wollen wachsen", sagt Daravelis, auch sie eine Chemikerin. Die gemeinsame Firma hält sich in der Finanzkrise erstaunlich gut. "Aber wir machen uns ziemliche Sorgen." Dennoch haben sie entschieden, in ein neues, größeres Labor zu investieren. Ihr "Beautylab" expandiert, zwei Techniker werden eingestellt. "Die Kosmetikbranche ist immer noch ein Markt, der in Griechenland nach vorn geht", sagt Papoutsas.

Die Krise hat dem Ehepaar sogar neue Kunden zugeführt: Ihre Formeln und Beratungsleistungen sind gefragt bei griechischen Unternehmern. In deren angestammten Branchen, etwa im Bausektor oder als Zulieferer für Krankenhäuser, können sie derzeit kaum noch Geschäfte machen. Sie haben aber Kapital auf die Seite geschafft - und das stecken manche von ihnen nun in die Herstellung von Kosmetika. Die Krise macht erfinderisch.

Eine Reihe internationaler Ökonomen, allen voran Nouriel Roubini, hält den Ausstieg aus dem Euro und die Rückkehr zur Drachme für einen gangbaren Weg. Eine radikale Abwertung der Währung und die damit verbundene Verbilligung griechischer Produkte würde Griechenland auf einen Schlag wieder wettbewerbsfähig machen, argumentieren sie.

Für das griechische Unternehmerpaar von Beautylab sähe der Euro-Ausstieg in der Praxis anders aus. Den Großteil der Rohstoffe für die Kosmetikentwicklung und die Verpackungen kauft das Ehepaar im EU-Ausland. Mit der Drachme, die vielleicht den halben Wert des Euro hätte, würde sich ihre Arbeit nie und nimmer rechnen.

Eine weiteres großes Problem ist die dünne Kapitaldecke der griechischen Banken. Der Bedarf zur Deckung der Finanzlöcher, die durch faule Kredite und den Schuldenschnitt vom Frühjahr entstanden sind, wird auf 30 bis 35 Mrd. Euro geschätzt. Geld für die Unternehmer haben Griechenlands Banken derzeit nicht; Wirtschaftswachstum und neue Arbeitsplätze können so nicht entstehen.

Papoutsas hatte erwartet, dass die Banken im Spätsommer mit frischem Geld versorgt werden - angesichts der Neuwahlen steht nun auch das in den Sternen. Bis auf Weiteres müssen Geschäftsleute aus eigener Kraft über die Runden kommen. Papoutsas und Daravelis waren in den letzten Jahren allerdings ohne Kredite ausgekommen. "Wir haben uns langsam vorgearbeitet", sagt das Unternehmer-Ehepaar über seine Firma. "Aber wir wollen jetzt keinen Boden verlieren."

  • Aus der FTD vom 01.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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