Kein Grund zur Aufregung: Die Fed legt eine Zinspause ein
Die Entscheidung des zehnköpfigen Offenmarktausschusses fiel nach Angaben der Bank mit nur einer Gegenstimme. Auch Notenbankchef Ben Bernanke habe sich dafür ausgesprochen, die Zinsschraube vorerst nicht weiter anzuziehen. Der Offenmarktausschuss teilte allerdings mit: "Einige Inflationsrisiken bestehen fort" und deutete damit an, dass er bei seiner nächsten Sitzung den Leitzins wieder erhöhen könnte.
Den Verzicht auf eine sofortige Erhöhung begründete die Notenbank damit, dass sich das Wachstum "nach seinem recht starken Tempo zu Beginn dieses Jahres gemildert" habe. Dies führte die Bank unter anderem auf ihre eigene Zinspolitik zurück. Sie verwies allerdings auch darauf, dass "die hohen Preise für Energie und andere Rohstoffe das Potenzial haben, den Inflationsdruck aufrechtzuerhalten".
Warten auf Konjunkturdaten
Die Fed will nun erst einmal die nächsten Konjunkturdaten abwarten und lässt sich die Möglichkeit offen, mit einer Zinserhöhung zu reagieren, sollte der Inflationsdruck nicht so stark nachlassen wie erhofft. Die Unsicherheit an den Märkten über den weiteren Zinskurs der Notenbank wird somit nicht nachlassen. Eine kurze positive Reaktion des Euro verpuffte nach näherer Betrachtung der Akteure. Auch an der Wall Street hielt die anfängliche Erleichterung der Investoren nur kurz an.
Über die Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf herrschte am Finanzmarkt bis zuletzt großes Rätselraten, da die Fed derzeit in einer Zwickmühle steckt. Einerseits kühlt sich die US-Konjunktur ab: Im Frühjahr hatte die Wirtschaft nur halb so kräftig zugelegt wie am Jahresanfang. Andererseits klettern die Preise schon seit längerem schneller, als der Fed lieb ist. Die Notenbanker fürchten, dass der Rekordpreis beim Öl die Inflation weiter anheizt. Auch die Löhne in den USA steigen weiterhin kräftig.
Fed hält Märkte unter Spannung
Beobachter hatten bereits damit gerechnet, dass die Notenbank aufgrund wachsender Inflationsängste die lange Reihe der Zinserhöhungen nicht fortsetzen würde. "Die Märkte waren schon auf diese Zinspause eingestellt, spätestens nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag", sagte Thomas Amend, Währungsstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhart. Marco Bargel, Chefökonom der Postbank, ergänzte: "Mit ihrer Warnung vor den Inflationsrisiken hält die Fed die Märkte weiterhin unter Spannung". Schließlich sei eine Wiederaufnahme der Zinserhöhungen in näherer Zukunft nicht auszuschließen.
"Die Konjunktur- und Inflationsdaten werden nun wohl noch stärker als bisher im Fokus des Devisenmarktes stehen, denn die Zinsspekulationen werden erst einmal anhalten", prognostizierte Michael Klawitter, Währungsexperte von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Euro werde daher so lange zwischen 1,27 und 1,30 $ pendeln, bis die Anleger weitere Zinsanhebungen für nahezu ausgeschlossen hielten. In den vergangenen Monaten war das Zinsgefälle zwischen den USA einerseits sowie Europa und Japan andererseits das wichtigste Argument für viele Anleger, Dollar zu kaufen.
"Unsicherheit hält an"
"Es klingt paradox - aber wenn die Fed die Zinsen nochmal erhöht hätte, wäre der Dollar in den kommenden Tagen eher unter Druck gekommen", sagte Trinkaus-Stratege Amend. "Denn dann wäre der Markt wohl davon ausgegangen, dass es so schnell keine weiteren Zinsschritte mehr geben wird. So aber hält die Unsicherheit vorerst an - und das spricht gegen eine Euro-Rally." Amend erwartet zum Jahresende einen Kurs um 1,30 $.