Sie begann bei einem kalifornischen Hypothekenanbieter und hat inzwischen Märkte in aller Welt erfasst: Die Subprime-Krise um schlecht besicherte US-Immobilienkredite betrifft längst auch andere Branchen. Unter den Opfern sind zunehmend deutsche Unternehmen.
Artikel-Sammlungen im Überblick:
23.50 Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat im Zuge der weltweiten Krise an den Kapitalmärkten Leerverkäufe von Aktien aus der Finanzbranche vorübergehend untersagt. Dieses Verbot gelte ab sofort bis zum Jahresende, teilte die Behörde am Freitagabend mit. Es werde jedoch laufend überprüft. Die BaFin begründete den Schritt mit den jüngsten Entwicklungen an den weltweiten Kapitalmärkten. "In der derzeitigen Marktsituation kann Shortselling (Leerverkäufe) Finanzunternehmen in den Untergang treiben", sagte BaFin-Präsident Jochen Sanio. Dieser Gefahr müsse man konsequent entgegentreten, darin seien sich die Wertpapieraufseher der wichtigsten Märkte einig. Zu den betroffenen Unternehmen gehören den BaFin-Angaben zufolge die Aktien der Aareal Bank, Allianz, AMB Generali, Commerzbank, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Deutsche Postbank, Hannover Rück, Hypo Real Estate, MLP und Münchener Rück.
Zuvor hatten bereits die USA und Großbritannien Leerverkäufe von Finanzwerten vorläufig verboten. Leerverkäufe sind Spekulationen auf fallende Kurse. Dabei leihen sich Händler Aktien von anderen Börsianern und verkaufen sie in der Hoffnung, einen Profit zu machen, wenn der Kurs fällt. Diese Art von Geschäften kann den Abwärtstrend einer Aktie dramatisch beschleunigen.
Kritiker bespöttelten die erstmalige Einführung des Leerverkaufsverbots für Aktien in den USA bereits vor einigen Wochen als "Artenschutz". Sie bemängeln, das Verbot sei statistisch nicht zu rechtfertigen und behindere den freien Kapitalverkehr. Leerverkäufer seien als Regulativ an den Kapitalmärkten wichtig, um Fehlentwicklungen zu bewerten. Diese Meinungen waren jedoch in den vergangenen drei Handelstagen insbesondere wegen der zeitweilig zweistelligen Kursstürze bei Goldman Sachs und Morgan Stanley in den Hintergrund getreten.
Das Bundesfinanzministerium teilte mit, dass Bundesregierung und BaFin zum Schutz der deutschen Finanzbranche gehandelt hätten. Hintergrund sei die nach dem Zusammenbruch mehrerer international bedeutender Banken zu beobachtende außergewöhnliche Schwankungsfreudigkeit an den Kapitalmärkten. Diese betreffe vor allem Aktien von Kreditinstituten, Börsenbetreibern, Versicherungsunternehmen und weiteren Unternehmen der Finanzbranche. Insbesondere bei der derzeitigen Lage der Kapitalmärkte führten Einwirkungen auf die Marktpreise von Unternehmen der Finanzbranche zu exzessiven Preisbewegungen, die die Stabilität des Finanzsystems gefährden und somit zu erheblichen Nachteilen für den Finanzmarkt führen könnten, teilte das Finanzministerium weiter mit.
21.40 Der Dow Jones notierte kurz vor Handelsschluss 3,4 % höher bei 11.388 Punkten. Der S&P 500 legte 4 % auf 1254 Zähler zu. Der Nasdaq Composite ging mit plus 3,4 % bei 2274 Punkten aus dem Handel.
Vor allem die zuletzt arg gebeutelten Bankentitel legten daraufhin deutlich zu: Die Bank of America , das zweitgrößte Institut des Landes, gewann gut 17 %, und JP Morgan verteuerte sich um 11,5 %. Die Aktie der angeschlagenen Washington Mutual schoss 42 % in die Höhe, nachdem das "Wall Street Journal" berichtet hatte, die Citigroup erwäge ein Gebot für die größte US-Sparkasse.
Enttäuschende Neuigkeiten gab es dagegen von den Anleiheversicherern MBIA und Ambac Financial. Die Ratingagentur Moody's zieht eine Herabstufung der beiden Konzerne in Erwägung - MBIA verlor 2,1 %, Ambac brach um über 30 % ein.
21.03 Die britische Bank Lloyds hat sich nach der Übernahme des Konkurrenten HBOS durch eine Kapitalerhöhung knapp 1 Mrd. Euro frisches Geld beschafft. Insgesamt habe man am Freitag Aktien im Wert von 767 Mio. Pfund (974 Mio. Euro) verkauft, teilte das Unternehmen mit. Der Verkaufspreis lag mit 270 Pence pro Aktie über fünf Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag, als die Lloyds-Aktie mit 285 Pence aus dem Handel ging. Durch die Maßnahme wolle Lloyds seine liquiden Mittel erhöhen und seine Geschäftsstrategien vorantreiben, teilte das Unternehmen mit. Auf den am Donnerstag beschlossenen Kauf des britischen Baufinanzierers HBOS habe der Schritt keinen Einfluss. Die Übernahme kostet Lloyds rund 15 Mrd. Euro, die das Unternehmen in eigenen Aktien bezahlen will.
20.20 Die Regulierungsbehörden der Europäischen Union erwägen derzeit Schritte zur Beruhigung der Finanzmärkte. Der Ausschuss der europäischen Wertpapierregulierungsbehörden CESR teilte am Freitag mit, er koordiniere Maßnahmen, die sich gegen Leerverkäufe richteten. Einige Behörden der 27 EU-Mitglieder hätten die Handelspraxis bereits eingeschränkt oder die Voraussetzungen für Leerverkäufe verschärft. Andere Mitgliedsstaaten dächten über zusätzliche Bedingungen nach. Dabei hätten sie die Entwicklung des Marktumfelds und die Eigenschaften ihres eigenen Marktes im Blick.
19.45 Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain hat die Federal Reserve für die Rettung von in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen heftig kritisiert und einen eigenen Lösungsvorschlag für die Finanzkrise präsentiert. "Die Federal Reserve sollte sich wieder um ihr eigentliches Geschäft kümmern, das darin besteht, verantwortungsvoll unseren Geldbedarf und die Inflation zu lenken", sagte McCain am Freitag auf Wahlkampftour im US-Bundesstaat Wisconsin. Wichtig sei es, dass die Fed die Kaufkraft des Dollars absichere. Ein starker Dollar werde Energie- und Lebensmittelpreise verringern, nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern und die Wirtschaft wieder in Schwung bringen.
19.30 Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für eine stärkere Regulierung der internationalen Finanzmärkte ausgesprochen. Wer heute etwas herstelle, müsse schließlich auch gewisse Normen einhalten oder sein Produkt vom TÜV prüfen lassen, sagte Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung der CSU in Bamberg. "Warum soll das im Bankenbereich nicht so sein", fragte die CDU-Politikerin.
18.55 Trotz der Erleichterung an den Märkten befindet sich Morgan Stanley nach wie vor in Gesprächen mit mehreren Interessierten, um Unterschlupf zu finden. Darunter sei auch die Bank Wachovia , berichtet das "Wall Street Journal". Zuletzt war auch von Verhandlungen mit dem chinesischen Staatsfonds CIC berichtet worden. Nach den massiven Verlusten der Vortage legte die Morgan-Stanley-Aktie am Freitag zeitweise um bis zu 50 Prozent zu.
18.43 New Yorks Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo zeigte sich optimistisch, illegale Leerverkäufer bald zu erwischen. Die entsprechende Untersuchung gehe "relativ schnell" voran. Erfolge seien nur noch eine "Frage von Wochen", sagte er in einem Radiointerview. Cuomo vermutet, dass Marktteilnehmer illegalerweise zunächst Aktien leer verkauft und dann negative Gerüchte gestreut hätten, um von den fallenden Kursen zu profitieren. Ähnliche Vorwürfe hatte auch Morgan-Stanley-Chef John Mack geäußert. Seit dem heutigen Freitag sind Leerverkäufe bei 799 Finanzaktien grundsätzlich verboten. Kritiker halten diesen Schritt für übertrieben und marktfeindlich.
17.43 Der Dax notiert zum Handelsschluss 5,6 Prozent fester bei 6189,53 Punkten. Damit hat der Index einen Großteil der Verluste der Vortage wieder wettgemacht. Stärkster Wert am Freitag war die Commerzbank mit einem Plus von 20,1 Prozent. Auch Industriewerte legten kräftig zu, ThyssenKrupp gewann 18,4 Prozent. VW gab nach den fulminanten Kursgewinnen des Vortags dagegen um deutliche 13,8 Prozent nach.
Auf europäische Ebene war die Euphorie noch größer. Der Stoxx 50 gewann 9,5 Prozent auf 2812,89 Zähler. Stärkster Einzelwert war die Royal Bank of Scotland mit plus 34,3 Prozent. Unter den stärksten zehn Werten waren ausnahmslos Finanztitel, die alle zweistellig zulegten.
17.13 Nach Ansicht von US-Präsident George W. Bush ist ein Eingreifen seiner Regierung dringend notwendig, um die Probleme auf den Finanzmärkten zu lösen. Die US-Wirtschaft durchlebe derzeit "einen kritischen Moment" , sagte Bush in Washington. Es sei erforderlich, dass die Politik handle, um sicherzustellen, dass die Wirtschaft des Landes gesund bleibe. "Angesichts der prekären Lage der Finanzmärkte und ihrer Bedeutung für das tägliche Leben der Amerikaner ist eine Regierungsintervention nicht nur gerechtfertigt, sondern essenziell." Wichtig sei es, die Ursachen der Instabilität auf den Märkten anzugehen. Als Beispiel nannte er den Hypothekenmarkt. Die USA benötigten ein Programm, um illiquide Anlagen von Banken und anderen Institutionen zu kaufen, sagte Bush.
Bush forderte, das von der Regierung initiierte Rettungsprogramm müsse "ohne weitere Verzögerung" verabschiedet werden. Er räumte ein, für das Programm würde "eine bedeutende Summe an Steuergeldern riskiert".
16.39 Einem hochrangigen Vertreters der US-Notenbank Fed zufolge halten Geldmarktfonds riskante Schuldverschreibungen in Milliardenhöhe. Von den sogenannten Asset Backed Commercial Papers (ABCPs) hielten die Fonds geschätzte 234 Mrd. $ , das entspreche etwa zwölf Prozent ihrer gesamten Vermögenswerte, sagte der Fed-Vertreter am Freitag. Bei diesen Papieren handelt es sich um kurzfristige verbriefte Darlehen, die mit Vermögenswerten hinterlegt sind.
16.14 Zusammenfassend sagte US-Finanzminister Paulson, die US-Regierung müsse ein Programm auflegen, um die illiquiden Vermögenswerte zu beseitigen, die auf die Finanzinstitute drückten und die Wirtschaft belasteten. Der Finanzminister forderte den US-Kongress auf, in der kommenden Woche den Regierungsplan zur Entfernung gefährdeter Anleihen zu unterstützen: "Wir müssen jetzt weitere entschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Ursachen der derzeitigen Schwäche des Finanzsystems gründlich und tiefgreifend zu entfernen". Um 16.14 Uhr beendete Paulson seine Rede.
16.10 In seiner Rede sagte der US-Finanzminister, das nötige Rettungspaket müsse groß genug sein, um einen deutlichen Erfolg zu zeigen. Zugleich müssten die Steuerzahler so weit wie möglich geschützt werden. Zum Umfang des Rettungspaketes sagte Paulson, es müsse "Hunderte Milliarden Dollar" umfassen.
16.07 In seiner Rede sagte Paulson: "Die Struktur der Finanzregulierung muss in die Richtung verändert werden, dass sich die Exzesse der Vergangenheit nicht wiederholen".
16.01 Der US-Finanzminister Henry Paulson hat die derzeitige Regulierung der US-Finanzmärkte als "suboptimal" bezeichnet. Die Regierung brauche ein Programm, um die illiquiden Werte, die die Banken gefährdeten, vom Markt zu nehmen.
15.47 Der Dow-Jones-Index hat im frühen Freitagshandel sämtliche Kursverluste dieser Woche wettgemacht und steht mit 11.421 Punkten genau auf dem Stand vor einer Woche.
15.39 Die Aussicht auf ein staatliches Rettungspaket für die angeschlagene US-Finanzbranche hat den Ölpreis wieder über 100 $ pro Fass (159 Liter) getrieben. Das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich in volatilem Handel um gut 4,34 Prozent auf 102,13 $. Händler erklärten den erneuten Preisanstieg mit Angebotsengpässen. Noch immer sind infolge des Hurrikans "Ike" mehr als 90 Prozent der Förderanlagen im Golf von Mexiko außer Betrieb.
15.07 Der Deutsche Aktienindex Dax steigt um sechs Prozent und knackt damit am frühen Nachmittag die 6200-Punkte-Marke.