Wer im Börsenhandel vorne sein will, braucht neben strategischem Geschick vor allem schnelle Rechner. Einige Handelsplattformen bieten bestimmten Akteuren zudem Vorabinformationen. Flash Trading - zu deutsch Blitzhandel - hat so in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen.
Die Praxis ist jedoch umstritten. Die US-Börsenaufsicht SEC prüft nun Schritte, um solche Transaktionen einzudämmen. Sie habe ihre Mitarbeiter angewiesen, "einen Ansatz zu finden, der schnell umgesetzt werden kann, um die Ungerechtigkeit zu beseitigen, die durch Flash Order entsteht", sagte SEC-Chefin Mary Schapiro am Dienstag. FTD.de gibt einen Überblick über den kontroversen Blitzhandel.
Beim Flash Trading setzen Händler superschnelle Computer und komplexe Algorithmen ein, um einen winzigen Informationsvorsprung gegenüber anderen Akteuren zu nutzen. Einige Börsen, darunter Nasdaq OMX, gewähren den Händlern Einblicke in Aktienorders - Bruchteile von Sekunden, bevor der Markt die Information erhält. Ein Schlupfloch in den Vorgaben für den Handel lässt dies zu.
Neben spezialisierten Hochfrequenz-Händlern nutzen auch andere Investoren Flash Trading, darunter institutionelle Investoren und Eigenhandelsfirmen. Zum ersten Mal wurde die Praxis von der US-Börsenaufsicht SEC im Jahr 2004 genehmigt, als die Boston Option Exchange sie einführen wollte.
Die Hochfrequenz-Händler platzieren blitzschnell kleine Aufträge und annullieren sie sofort wieder, um zu testen, welchen Preis langsamere Akteure für eine bestimmte Aktie bereit sind zu zahlen - oder zu wie viel sie verkaufen wollen. Vor den anderen Investoren können die schnellen Händler das Papier kaufen oder Verkaufspositionen aufbauen, um ihnen dann ein Angebot zu machen - mit Gewinn.
Den superschnellen Händlern kommt zudem der harte Wettbewerb zwischen den Börsen zugute: Die Betreiber zahlen den größten und aktivsten Akteuren oft eine kleine Gebühr. Dabei handelt es sich zwar um äußerst geringe Beträge - die sich aber aufgrund der hohen Anzahl der Transaktionen summieren.
Die Geschwindigkeit ist atemberaubend: Die Algorithmen können pro Sekunde Millionen von Orders platzieren und Dutzende von privaten und öffentlichen Handelsplätzen gleichzeitig im Auge behalten. Aufträge und Strategien können in Sekundenbruchteilen geändert werden, um von Marktbewegungen zu profitieren.
Kritiker halten den Zeitvorsprung, den die Nutznießer von Flash Trading genießen, für unfair. Sie werfen den Händlern vor, Kurse zu manipulieren, die Volatilität zu erhöhen und auf Kosten langsamerer Akteure Geld zu verdienen. Nach Berechnungen der Researchfirma Tabb strichen Hochfrequenz-Händler im vergangenen Jahr Gewinne von rund 21 Mrd. $ ein.
Die Bedenken wachsen auch, weil der Einfluss der Hochfrequenz-Händler zunimmt: Börsenbetreiber schätzen, dass eine Handvoll von ihnen inzwischen mehr als die Hälfte aller Transaktionen ausmachen. Befürworter argumentieren, die Händler seien wichtig, weil sie Liquidität schaffen.
Ein prominenter Kritiker ist Charles Schumer, ein Demokratischer Senator aus New York. Er drängt die SEC seit Wochen, Flash Trading zu verbieten. Er hofft nun, dass die Aufsicht den Hochfrequenz-Handel generell unter die Lupe nimmt: "Es ist wichtig sicherzustellen, dass Flash Order nicht nur die Spitze des Eisbergs sind, der in der Dunkelheit des Marktes lauert."
Börsen wie Nasdaq OMX, Bats Global Markets und die CBOE Stock Exchange lassen Flash Trades zu, NYSE Euronext hingegen nicht.
Besonders erfolgreich ist momentan Direct Edge, eine elektronische Handelsplattform mit Sitz im Bundesstaat New Jersey. Hinter dem Unternehmen steht ein Konsortium um die Börse International Securities Exchange (ISE), Knight Capital Group, Citadel, Goldman Sachs und JP Morgan Chase . Mit einem Anteil von 31,54 Prozent ist die Deutsche-Börse-Tochter ISE der größte Anteilseigner, Knight, Citadel und Goldman halten jeweils 19,9 Prozent.
Direct Edge baut seinen Marktanteil auf Kosten anderer Handelsplätze kontinuierlich aus. Dank des Programms "Enhanced Liquidity Provider" wickelte die Plattform im Juli 11,2 Prozent aller amerikanischen Aktientransaktionen ab. Damit liegt sie auf Platz drei. Das Wachstum ist gewaltig: Nach eigenen Angaben lag es im Juni bei knapp 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Plattformen, die Flash Trading bislang zulassen, könnten im Wettbewerb mit anderen einen wichtigen Vorteil verlieren. "Kurzfristig wäre vor allem Direct Edge negativ betroffen. Sollte die Börsenaufsicht Flash Order prinzipiell verbieten, würde das das Unternehmen auf jeden Fall spüren", sagte Sang Lee, Managing Partner bei der Finanzberatungsgesellschaft Aite Group.
Einige Investoren wappnen sich bereits gegen Hochfrequenz-Händer, indem sie immer mehr Transaktionen über sogenannte Dark Pools abwickeln. Auf diesen elektronischen Plattformen bleiben Größe und Herkunft von Orders im Dunkeln.
Es gibt allerdings auch Befürchtungen, der Spielraum für Innovationen könne durch strikte Regeln eingeengt werden. "Die wichtigste Herausforderung besteht darin, dass der Regulierungsrahmen mit dem rapiden Tempo der Innovation im Markt Schritt hält", schrieb Goldman Sachs in einem Brief an Kunden, mit dem die Bank ihre Aktivitäten im Hochfrequenz-Handel erklärt.
Goldman verdient im Aktienhandel mehr als jede andere US-Bank. Das Institut betont in dem Brief, es benutze kein Flash-Programm, um Kundenaufträge abzuwickeln. Hochfrequenz-Handel mache weniger als ein Prozent der Umsätze aus. Vor kurzem war ein ehemaliger Programmierer der Bank angeklagt worden. Ihm wird vorgeworfen, einen für den Eigenhandel wichtigen Code gestohlen und auf einen externen Server geladen zu haben.