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Merken   Drucken   20.08.2012, 10:24 Schriftgröße: AAA

Fonds: Euroland-Aktienfonds konzentrieren sich auf Musterländer

Weil die Euro-Krise immer mehr europäische Staaten in Mitleidenschaft zieht, halten Euroland-Aktienfonds fast nur noch Titel von Deutschland und Frankreich. Das macht Anlegern die Streuung schwer.
© Bild: 2012 DPA/Arne Dedert
Weil die Euro-Krise immer mehr europäische Staaten in Mitleidenschaft zieht, halten Euroland-Aktienfonds fast nur noch Titel von Deutschland und Frankreich. Das macht Anlegern die Streuung schwer.
von Julia Groth

Die Euro-Zone gerät immer näher an den Rand einer Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum ist im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Jahresbeginn um insgesamt 0,2 Prozent gesunken. Die Schere zwischen Euro-Peripherie und Kernländern geht dabei immer weiter auseinander: In Griechenland droht die Wirtschaft das fünfte Jahr in Folge zu schrumpfen, Deutschland ist mit einem Wachstum von 0,3 Prozent im zweiten Quartal eine der wenigen Konjunkturstützen.

Deutsch-französische Freundschaft: Euroland-Aktienfonds   Deutsch-französische Freundschaft: Euroland-Aktienfonds

Diese Aufteilung spiegelt sich in Euroland-Aktienfonds wider. Von ihrer Aufteilung des Kapitals her sind viele Euroland-Produkte mittlerweile eigentlich de facto Frankreich- und Deutschland-Fonds. Das ist einerseits der Tatsache geschuldet, dass die beiden Länder in europäischen Aktienindizes wie dem Euro Stoxx 50 großes Gewicht haben. Andererseits suchen viele Manager von Euroland-Aktienfonds gezielt nach interessanten Einzeltiteln - und landen dabei eben hauptsächlich bei deutschen oder französischen Unternehmen.

Zu den größten Positionen im Fonds Euro Blue Chip der Gesellschaft Fidelity gehören beispielsweise die deutschen Konzerne Allianz , Siemens , SAP  und Bayer  sowie die französischen Unternehmen Air Liquide , LVMH  und BNP Paribas . Titel aus Deutschland sind in dem Produkt mit rund 30 Prozent im Vergleich zum Euro Stoxx 50 deutlich übergewichtet. Französische Titel sind mit rund 20 Prozent zwar untergewichtet, absolut gesehen aber immer noch am zweitstärksten vertreten.

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Fondsmanagerin Alexandra Hartmann betrachtet diese Konzentration nicht als Problem. "An welcher Börse Aktien notiert sind, ist nahezu irrelevant geworden", sagt sie. "Große Unternehmen sind heute ohnehin international tätig." Ein fundiertes Wachstum, starke Produkte und eine günstige Bewertung seien die wichtigeren Faktoren bei der Titelauswahl. Klumpenrisiken wegen des Deutschland-Fokus fürchtet Hartmann ebenfalls nicht. "Man muss die Definition von ‚breit diversifiziert‘ neu denken. Diversifikation kommt durch das Engagement von Unternehmen zustande, nicht durch ihren Sitz." Der habe bereits seit Jahren kaum noch Einfluss auf die mittelfristige Bewertung eines Anteilscheins.

Das sehen viele Analysten derzeit allerdings etwas anders. Sie warnen nämlich davor, dass Unternehmen in Ländern, die schlechtere Noten von Ratingagenturen bekommen, ebenfalls mit Herabstufungen ihrer Bonität rechnen müssen und in der Folge in schweres Fahrwasser geraten könnten. Schlicht deshalb, weil sie mit ihrem wirtschaftlich schwächelnden Heimatland assoziiert werden. "Das hat natürlich auch einen gewissen Einfluss auf unsere Titelauswahl", räumt Hartmann ein. Allerdings nicht nur im Negativen: Die Fidelity-Managerin nutzt solche Situationen mitunter aus, um Aktien stabiler südeuropäischer Unternehmen zu günstigen Preisen zu kaufen.

Auch beim Fondshaus Allianz Global Investors (AGI) schließt man kein europäisches Land grundsätzlich aus, sondern nutzt die Situation an den Märkten, um günstig Aktien vielversprechender Unternehmen aus Südeuropa zu kaufen. Und auch hier dienen diese Anteilscheine quasi als Beimischung für ein hauptsächlich deutsch-französisches Portfolio. Im Fonds Allianz Wachstum Euroland sind Frankreich und Deutschland mit rund 39 beziehungsweise rund 27 Prozent bereits seit einiger Zeit übergewichtet. "Das dürfte in den nächsten Monaten auch so bleiben", sagt Fondsmanager Matthias Born. Zu den größten Positionen zählen auch hier der deutsche Softwareriese SAP und der französische Luxusgüterkonzern LVMH.

Frankreich und Deutschland seien eben die größten und interessantesten Märkte der Euro-Zone, sagt Born, der wie Fondsmanagerin Hartmann auf Stockpicking setzt, also Titel nach fundamentaler Analyse der Unternehmensdaten auswählt. "Das ist eine strukturelle Frage, keine zyklische." Auf der Länderseite sieht er die Gefahr von Klumpenrisiken nicht. "Ich sehe solche Risiken eher auf Einzeltitelebene", sagt er. Das größte Risiko seien schwache Geschäftsmodelle, die in der Regel mit unterdurchschnittlichen Wachstumsaussichten und geringer Preissetzungsmacht einhergingen. "Diversifikation ist wichtig, aber eben vor allem im Hinblick auf die Wahl der einzelnen Titel", so Born.

Der Wertentwicklung von Euroland-Aktienfonds hat der laxe Umgang mit der Länderballung jüngst nicht geschadet. Im laufenden Jahr erzielten für deutsche Privatanleger erhältliche Fonds, die in Standardwerte aus den Ländern der Währungsunion investieren, im Schnitt ein Plus von rund elf Prozent nach einem Minus von durchschnittlich 15,5 Prozent 2011. Wer als deutscher Anleger versucht, außerhalb des Heimatmarkts anzulegen, sollte aber im Hinterkopf behalten, dass das mit Euroland-Fonds derzeit nicht zu machen ist.

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  • Aus der FTD vom 20.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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