Das zeigen Daten des Frankfurter Analysehauses 2iQ Research. Allein im Juni kauften die Führungskräfte in der Bundesrepublik demnach Aktien ihrer Unternehmen im Wert von rund 4,6 Mio. Euro, während der Wert der verkauften Anteilscheine bei rund 1,2 Mio. Euro lag. Bei der Rally zu Jahresbeginn hatten sich die Insider hingegen zurückgehalten. "Die Anzahl der Käufer überwiegt jetzt die der Verkäufer sehr stark", sagt Robert Hable von 2iQ Research. Überraschen tut ihn das wenig. "Da Topmanager antizyklisch handeln, ist es logisch, dass sie sich zurückgehalten haben, als die Kurse stiegen", sagt er. "Bei einem Kurssturz greifen sie eher zu."
Führungskräfte großer Unternehmen müssen Transaktionen mit den Aktien ihrer Häuser öffentlich machen. Aus diesen Directors' Dealings in Europa berechnet 2iQ regelmäßig den FTD-Insiderindex. Der erreicht den Höchststand von 100 Punkten, wenn die Buy-Sell-Ratio, also das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen, der vergangenen drei Monate auf ein Drei-Jahres-Hoch klettert. Aktuell liegt der Index bei 65,7 Punkten. "Das ist ein stabiler Wert", sagt Hable.
Im europäischen Vergleich gehören die deutschen Manager eher zu den vorsichtigen Optimisten. Das lässt sich an der Buy-Sell-Ratio, ablesen. Die war bei den deutschen Insidern im vergangenen Quartal um das Anderthalbfache höher als ihr Drei-Jahres-Durchschnitt. Zum Vergleich: Bei den extrem bullishen österreichischen Führungkräften lag die Quote rund 30-mal über ihrem Drei-Jahres-Durchschnitt.
Studien zeigen, dass Topmanager beim Aktienkauf oft ein glückliches Händchen beweisen. "In der Rückschau zeigt sich, dass sie es häufig schaffen, exakt an einem Tiefpunkt einzusteigen", sagt Hable. Entsprechend versuchen auch Anbieter von Investmentprodukten, sie für sich zu nutzen. So hat etwa die Commerzbank seit 2006 ein Zertifikat (Commerzbank-Insider-Index ) im Angebot, das sich auf den hauseigenen Insiderindex bezieht. Allerdings kann der Index maximal neun Werte enthalten, je nach aktuellem Insiderverhalten kann die Anzahl der Aktien im Korb aber auch unter neun fallen - dann setzt der Anleger letztlich nur noch auf die Entwicklung einiger weniger Einzelwerte. Die Deutsche Bank bietet ein Zertifikat (Solactive-Insider-Performance-Index ) auf den Solactive-Insider-Performance-Index für Deutschland an, der immerhin 15 Werte enthält.
Die Wertentwicklung der Zertifikate zeigt, dass Privatanleger auch bei Insiderstrategien Geduld mitbringen müssen. Das Commerzbank-Zertifikat etwa liegt gegenüber seinem Emissionspreis von 2007 derzeit rund vier Prozent im Minus, ist damit allerdings besser gelaufen als der DAX. Das Papier der Deutschen Bank verzeichnet auf Jahressicht ein Minus von rund 20 Prozent - und damit mehr als der Leitindex, der im gleichen Zeitraum 14 Prozent eingebüßt hat.
"Wenn man sich Insidertransaktionen für die eigene Investmentstrategie zunutze machen will, muss man sie sehr genau analysieren", sagt Athanasios Ladopoulos, der die Strategie für seinen Schweizer Hedge-Fonds aus den Directors' Dealings ableitet. Vor allem müsse man erkennen, ob es sich bei einem Kauf oder Verkauf um einen Störeffekt handelt. Ein Beispiel für einen Störeffekt sei beispielsweise die Mini-Kapitalerhöhung der Commerzbank vergangene Woche gewesen. Das Geldhaus hatte angekündigt, dass sich ein Großteil ihrer Führungskräfte ihre Boni für 2011 in Aktien auszahlen lasse, diese jedoch gleich wieder verkaufen wolle. "Als einmalige Aktion hat das einen geringen Informationsgehalt", meint Ladopoulos. "Erst wenn so etwas häufiger passiert und sich ein Muster zeigt, kann ein Fondsmanager daraus etwas für seine Strategie ableiten."
Hedge-Fonds Die Schweizer Gesellschaft Swiss Investment Managers startete Ende vergangenen Jahres ihren Directors'-Dealings-Fonds. Laut dem Branchendienst Citywire ist es der erste Hedge-Fonds in Europa, der seine Investments ausschließlich an den Aktientransaktionen von Führungskräften orientiert. "Meiner Ansicht nach sind Insidertransaktionen die genausten Indikatoren dafür, in welche Richtung sich ein Unternehmen bewegt", sagt Fondsmanager Athanasios Ladopoulos. Der gebürtige Grieche hat vorher bereits verschiedene andere Hedge-Fonds gemanagt und nach eigener Aussage vor acht Jahren damit begonnen, sich mit Managertransaktionen im Aktienmarkt zu beschäftigen. Investoren des Hedge-Fonds sind laut Ladopoulos vermögende Privatpersonen sowie einige ausgewählte Privatbanken.
Idee Der Fonds soll entsprechend der Transaktionen handeln, die Topmanager aus den USA und Europa mit den Aktien ihrer eigenen Unternehmen vornehmen. Allerdings bildet er diese nicht nach. Stattdessen trifft das Fondsmanagement selbst die Entscheidungen, welche Transaktionen sie für aussagekräftig erachten. "Im Moment sind 98 Prozent aller Käufe und Verkäufe auf Störfaktoren zurückzuführen", sagt Ladopoulos. Damit bleibe nur ein kleiner Teil der Transaktionen übrig, nach dem sich die Fondsmanager tatsächlich richten. Nach eigener Aussage hat sich Ladopoulos' Fonds mit dieser Strategie in seiner kurzen Zeit am Markt zumindest im Plus gehalten.
Stimmungsbild Der FTD-Insiderindex wird mithilfe der Buy-Sell-Ratio berechnet, die das Kaufvolumen der Manager ins Verhältnis zum Verkaufsvolumen setzt. 2iQ Research vergleicht die aktuelle Buy-Sell-Ratio mit dem erreichten Schnitt aus drei Jahren. Erreicht die Quote ein Drei-Jahres-Hoch steigt der Index auf 100 Punkte. Derzeit steht er bei rund 66 Punkten, sprich im bullishen Bereich.
Pessimisten Die Topmanager aus der Finanzindustrie trauen ihren Unternehmen derzeit nicht besonders viel zu und halten sich mit Insiderkäufen zurück. Vorsichtig sind auch die Führungskräfte aus den Branchen Informationstechnologie und Gesundheit. Die Chefs von Versorgerunternehmen decken sich hingegen mit Aktien ihrer Firmen ein.
Gewinner Die meisten Topmanager haben sich vor allem zum Jahresanfang zurückgehalten und begannen erst im zweiten Quartal, wieder zu kaufen. So gehörte etwa Rolf Pohlig zu denjenigen mit einem glücklichen Händchen: Der Finanzvorstand von RWE kaufte erst im Juni Aktien des Unternehmens und schätzte die Kursentwicklung des Unternehmens richtig ein. Weniger Glück mit seinem Aktienkauf im April hatte etwa Lanxess-Chef Axel Heitmann. Sein Deal mit den Aktien ging bis Juni nicht auf.